BUND Landesverband
Baden-Württemberg

Insektenfreunliche Beleuchtung: Was Kommunen tun können

27. April 2022 | Artenschutz (BW), Biotopverbund (BW), Naturschutz, Naturschutzpolitik (BW), Schmetterlingsland (BW)

BUND empfiehlt Kommunen, auf insektenfreundliche Beleuchtung umzusatteln und bietet Lösungen an

Bis 2030 müssen sogar alle kommunalen Beleuchtungsanlagen insektenfreundlich um- oder nachgerüstet sein. Der BUND Baden-Württemberg hat Lösungen erarbeitet, um diese gesetzlichen Vorgaben leichter zu erfüllen.  (istock.com / MD Shahjehan)

Autoscheinwerfer, Leuchtreklame oder leuchtende Spots auf historische Denkmäler – die Nacht erstrahlt in deutschen Städten und Dörfern hell. Doch wenn es nie dunkel wird, hat das verheerende Folgen. Und gut die Hälfte der Insekten ist nachtaktiv. Die Insekten paaren sich zur falschen Zeit oder gar nicht. Während der Winter schon naht, verhalten sie sich noch wie im Hochsommer und verkriechen sich nicht. Oder sie schwirren orientierungslos um das künstliche Licht bis sie erschöpft zusammenbrechen. Weniger Insekten bedeuten auch weniger Futter für Vögel und Fledermäuse.

Nicht alle Kommunen setzen auf insektenfreundliche Beleuchtung. Auch wenn das baden-württembergische Naturschutzgesetz seit 2021 bei Neubau sowie Um- oder Nachrüstung eine insektenverträgliche Beleuchtung von Straßen, Wegen und öffentlichen Plätzen vorschreibt. Bis 2030 müssen sogar alle Beleuchtungsanlagen insektenfreundlich um- oder nachgerüstet sein. Der BUND Baden-Württemberg hat Lösungen erarbeitet, um diese gesetzlichen Vorgaben leichter zu erfüllen.

Was Kommunen für eine insektenfreundliche Beleuchtung tun können:

  • Notwendigkeit der Beleuchtung prüfen: Nicht jede nächtliche Beleuchtung ist auch notwendig. Unnötige Beleuchtungen, die nicht der Sicherheit dienen, sollten deshalb abgeschaltet werden. Auch ist die Beleuchtungsstärke auf die tatsächlich notwendigen Anforderungen anzupassen.
  • Richtige Lichtfarbe wählen: Die Lichtfarbe hat einen entscheidenden Einfluss darauf, wie viele Insekten angelockt werden. Besonders der blaue Lichtanteil lockt sie. Bernsteinfarbene LEDs mit einer Farbtemperatur von circa 1800 Kelvin sind deshalb besonders schonend.
  • Die Beleuchtungsstärke verringern: An Hauptstraßen sollte eine mittlere Leuchtdichte von siebeneinhalb Lux bis 15 Lux (je nach Verkehrsaufkommen, erlaubter Höchstgeschwindigkeit et cetera.) nicht überschritten werden. In Anwohnerstraßen sind drei Lux mittlere Leuchtdichte ausreichend und auf Parkplätzen maximal zehn Lux. Es gibt keine verbindlich festgeschriebenen Beleuchtungsstärken. Die Reduzierung der Beleuchtungsstärke schützt nicht nur Insekten, sondern spart auch Strom.
  • Leuchten richtig abschirmen: Die Leuchten sollten außerdem „voll abgeschirmt“ sein, also kein Licht oberhalb der Horizontalen abstrahlen. Das verhindert Blendwirkung bei Passanten und das Abstrahlen von Licht in die Atmosphäre. Denn je weiter Licht strahlt, umso großräumiger sind auch die Auswirkungen und Insekten können sich auch außerhalb von Siedlungen schlecht orientieren.
  • Sicherheit durch homogene Ausleuchtung: In der Ausleuchtung sollten die Helligkeitsunterschiede entlang der Wege, Straßen und Plätze möglichst gering ausfallen, da sich sonst dunkle und blendende Bereiche abwechseln. Auch für Menschen bedeutet eine homogene Ausleuchtung mehr Sicherheit durch weniger Blendung.
  • Ausrichtung der Leuchten: Licht sollte nicht in alle Richtungen strahlen, sondern gezielt dahin gelenkt werden, wo es wirklich gebraucht wird. Also auf Gehwege, Straßen, Plätze und nicht auf Fassaden, in die Umgebung oder in den Himmel. Auch Anwohner*innen profitieren davon, da Straßenleuchten dann nicht mehr in Schlafzimmer hineinstrahlen. Jede Leuchte sollte zum Boden hin ausgerichtet sein und der Lichtkegel nur so groß sein, wie tatsächlich benötigt.
  • Dann beleuchten, wenn wirklich benötigt: Nicht jede Laterne und jeder Scheinwerfer muss die ganze Nacht in Betrieb sein. Einige Kommunen dimmen nach Mitternacht die Straßenbeleuchtung oder schalten sie vollständig ab. Andere Kommunen sind hier technisch fortschrittlicher und schalten die Straßenbeleuchtung über Bewegungsmelder an, wenn Menschen unterwegs sind. Auf Sportplätzen sollte das Flutlicht erst kurz vor dem Spiel ein- und danach sofort wieder ausgeschaltet werden.
  • Abgedichtete Leuchten verwenden: Die Leuchten sollten über eine Abdichtung verfügen, sodass Insekten und Spinnen nicht eindringen können.
  • Ausnahmen als Ausnahmen sehen: Wenn unbedingt Ausnahmen für die Beleuchtung von historischen Bauten geplant sind, dann sollten diese auf die frühen Abendstunden am Wochenende beschränkt bleiben.

Gute Nachrichten: Lichtverschmutzung ist leicht zu lösen

„Die gute Nachricht ist: Kaum ein Problem kann so einfach gelöst werden wie die Lichtverschmutzung. Kommunen und Privatpersonen haben es hier selbst in der Hand, auf unnötige Beleuchtung zu verzichten und zu insektenverträglichen Beleuchtungsanlagen zu wechseln. Wer mit bernsteinfarbenen LEDs und reduzierter Helligkeit beleuchtet, schont die Umwelt doppelt: Das spart Strom und schützt die heimischen Tiere und Pflanzen“, sagt Lilith Stelzner, Naturschutzreferentin des BUND Baden-Württemberg.

Aktion: Licht aus

Um die Menschen für die Lichtverschmutzung und ihre Folgen zu sensibilisieren, hat der BUND Baden-Württemberg im April die Aktion Licht aus für unsere Insekten gestartet. Der Umwelt- und Naturschutzverband ruft dazu auf, beleuchtete Fassaden von Denkmälern sowie Kirchtürmen oder nach Ladenschluss beleuchtete Parkplätze und Gewerbeflächen zu melden.

Weitere Infos

Kontakt

  • Lilith Stelzner, Naturschutzreferentin beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Baden-Württemberg e. V., lilith.stelzner(at)bund.net, 0711 620306-14
  • Angela Koch, Referentin für Öffentlichkeits- und Pressearbeit beim BUND Baden-Württemberg, angela.koch(at)bund.net, 0176 240 43 107

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