BUND Landesverband
Baden-Württemberg

BUND Fotowettbewerb: „Der Moment war kurz, vielleicht 10 Sekunden“

19. Mai 2020 | Aktiv im Naturschutz (BW), Artenschutz (BW), Biotopverbund (BW), BUND Baden-Württemberg (BW), Flächenschutz (BW), Flüsse und Gewässer (BW), Landwirtschaft, Naturoasen schützen (BW), Naturschutzpolitik (BW), Schmetterlingsland (BW), Streuobst (BW)

Gut 1.300 Fotos wurden für die Artenvielfalt eingereicht. Das Siegerbild, ein Wiedehopf-Paar, wurde an einem geheimen Ort am Kaiserstuhl aufgenommen. Am Tag der Artenvielfalt hat der BUND die Gewinner-Bilder seines dritten Fotowettbewerbs bekannt gegeben.

Das Männchen versorgt das Weibchen während der gesamten Brutzeit mit Nahrung. Das Männchen kommt alle 5 bis 15 Minuten, bringt das Futter und verschwindet wieder.  (Sebastian Klein)

Sebastian Klein aus Stuttgart hat Tag für Tag stundenlang an der Brutstätte ausgeharrt, um die Fütterung eines Wiedehopf-Weibchens abzulichten. Mit diesem Foto wurde er Sieger beim BUND-Wettbewerb buntes Baden-Württemberg. Im Kleinen Lautertal ist das zweitplatzierte Bild entstanden. Martin Hust flog ein seltener Roter Apollofalter vor die Linse. Der dritte Platz geht an Annette Möckel aus Isny. Ihr Foto zeigt vier Pärchen von Speer-Azurjungfern bei der Paarung. Zum Internationalen Tag der Artenvielfalt am 22. Mai präsentiert der BUND Baden-Württemberg die prämierten Bilder seines Fotowettbewerbs für die Artenvielfalt. Insgesamt wurden 1.300 Naturfotos aus Baden-Württemberg eingereicht.

„Der Fotograf hat mit der Wiedehopf-Fütterung einen sehr seltenen Augenblick eingefangen. Denn normalerweise füttern die Männchen die Weibchen in den Bruthöhlen. Ein toller Anblick und ein brillantes Foto“, sagt Sylvia Pilarsky-Grosch, Landesgeschäftsführerin des BUND. In Baden-Württemberg steht der Wiedehopf auf der Vorwarnliste der gefährdeten Arten. Nur etwa 110 bis 150 Vogelpaare brüten hier. „Der Grund für den Rückgang der Art ist leider wie so oft der Verlust ihres Lebensraums durch die intensive Landwirtschaft und der Einsatz von Pestiziden. Den Brutpaaren mangelt es aber auch an Nistplätzen, um ihren Nachwuchs aufziehen zu können.“

1. Platz: Wiedehopf (Upupa epops)

„Der Moment war sehr kurz, vielleicht 10 Sekunden. Das Männchen rief, das Weibchen kam heraus, um kurz darauf wieder in die Bruthöhle zu hüpfen. Das Männchen flog sofort davon“, schreibt Sebastian Klein über die Entstehung seines Fotos. Nachdem Klein die Brutstelle am Kaiserstuhl entdeckt hatte, suchte er sie immer wieder auf: „Ich nutzte jede Gelegenheit, um am Ort des Geschehens zu sein. Noch vor Sonnenaufgang bin ich gut getarnt und mit ausreichend Verpflegung am Set gewesen. Das Männchen kam in regelmäßigen Abständen alle 5 bis 15 Minuten angeflogen, um das brütende Weibchen mit Nahrung zu versorgen. Dabei landete das Männchen zuerst an der immer selben Stelle 15 Meter oberhalb der Höhle, um das Weibchen mit seinem Ruf über seinen Anflug zu informieren.

Das Wiedehopf-Paar

Bei den Wiedehopfen gibt es keinen Geschlechtsdimorphismus, das heißt, Männchen und Weibchen sehen gleich aus. Sie haben ein orangebraunes Gefieder mit schwarz-weißer Bänderung des Schwanzes. Sie werden etwa so groß wie Amseln, wirken aber durch ihre auffällige Federhaube größer. Bei der Balz sitzt das Männchen auf einem Pfahl oder Baum und ruft hupupup - der Balzruf des Männchens klingt wie eine Hupe. Es stellt seine Federhaube auf und bietet dem Weibchen Nahrung als „Brautgeschenk“. Das Männchen versorgt das Weibchen auch während der gesamten Brutzeit mit Nahrung. 

Fotowettbewerb zum Schutz der Artenvielfalt

Der BUND Baden-Württemberg hat den Fotowettbewerb 2018 ins Leben gerufen, um auf die Bedeutung der Artenvielfalt aufmerksam zu machen. Jedes Jahr verschwinden viele Tier- und Pflanzenarten unwiederbringlich. Schaut man sich die Inventur der bedrohten Arten an, wird die alarmierende Situation klar. Jede dritte der Tier- und Pflanzenarten in Baden-Württemberg ist gefährdet. Am stärksten betroffen sind die Tagfalter. 80 Prozent sind bedroht, viele davon gar vom Aussterben. Bei den Säugetieren sind es 70 Prozent. Und auch weltweit ist die Situation alarmierend. Der UN-Weltbiodiversitätsbericht hat 2019 vorgeführt, dass in den kommenden Jahrzehnten eine Million Tier- und Pflanzenarten für immer verschwinden könnten.

Rekord: 1.300 Fotos eingereicht

„Die Resonanz auf den Fotowettbewerb war riesig. Über 1.300 Naturfotos aus Baden-Württemberg sind dieses Jahr eingegangen. Wir sind begeistert von diesem bunten Kaleidoskop der baden-württembergischen Naturschönheiten“, sagt Angela Koch, Organisatorin des Wettbewerbs und Referentin für Presse und Öffentlichkeitsarbeit beim BUND Baden-Württemberg. 2020 gab es mit buntes Baden-Württemberg die dritte Ausgabe des Fotowettbewerbs. „Besonders freut uns, dass so viele Menschen rausgegangen sind, um die Natur vor ihrer Haustüre zu beobachten, zu fotografieren und ihr Foto mit uns zu teilen. In ihren Texten über die Entstehungsgeschichte des Bildes spürt man die Begeisterung für die Fotografie und die Liebe zur Natur.“

Auf Entdeckungstour: Platz 2 bis 4

Dass es sich lohnt, auf Entdeckungsreise in die Natur zu gehen, zeigen auch die Plätze 2 bis 4:

Platz 2: Apollofalter oder Roter Apollo (Parnassius apollo)

Martin Husts Foto zeigt einen seltenen Fund. Denn der Rote Apollo ist eine vom Aussterben bedrohte Tagfalter-Art und in Baden-Württemberg nur noch auf der Schwäbischen Alb zu finden. Tatsächlich ist der Falter auch für die Foto-Sammlung des Fotografen eine Rarität: „An diesem Tag habe ich zum ersten Male einen Apollo gesehen. Kurze Zeit später dann gleich etwa 60 Exemplare; zwei davon ließen sich wunderbar fotografieren. Eine Sternstunde meiner Fotolaufbahn“, so der Fotograf aus Reutlingen.

Platz 3: Speer-Azurjungfer (Coenagrion hastulatum)

Der dritte Platz geht nach Isny (Landkreis Ravensburg) an Annette Möckel. Die Fotografin hat bei Isny im Allgäu gleich acht Speer Azurjungfern bei der Paarung erwischt. Diese dauert in der Regel 15 bis 30 Minuten. Die Libellen-Art ist in ganz Deutschland vielerorts vom Aussterben bedroht und steht in Baden-Württemberg auf der Roten Liste. Die Hauptgründe: der Rückgang ihres Lebensraums – insbesondere von Mooren - der hohe Eintrag von Nährstoffen in Gewässer infolge von Überdüngung und die Klimaerwärmung. Der BUND hat die Speer-Azurjungfer deshalb zur Libelle des Jahres 2020 gekürt. 

Platz 4: Feldmaus (Microtus arvalis)

Christoph Böhme aus Riegelsberg im Saarland ist zum dritten Mal unter den Top 5 des BUND-Fotowettbewerbs gelandet. Sein Foto zeigt eine Feldmaus, die er in Sachbachwalden im Ortenaukreis fotografiert hat. Feldmäuse müssen ständig fressen. Sie können nur maximal vier Stunden ohne Nahrung auskommen. Sie essen am liebsten Feldfrüchte, Samen, Kräuter und Gräser. Böhme schreibt über sein Bild: „In der kalten Winterzeit ist es für die Tiere in der Natur nicht immer einfach, an Futter zu kommen. Früchte sind Mangelware. Vielleicht schmeckt ja diese rote Frucht? Aber die Hagebutte war dann doch nicht ihr Ding.“

Sonderpreis Artenvielfalt: stark gefährdetes Braunkehlchen (Saxicola rubetra)

Einen Sonderpreis erhält Hans-Peter Heneka aus Bruchsal für die Aufnahme eines Braunkehlchens. Das Braunkehlchen ist eine Zugvogel-Art, die im April aus Afrika zu uns zurückkehrt, um dann hier zu brüten. Sein Nest baut der kleine Vogel am liebsten in Strauch- oder Krautschichten und legt dann von April bis Juni seine grünlich-blauen Eier. Ab August fliegt es wieder zurück. In den letzten Jahren ist die Art extrem zurückgegangen und mittlerweile vom Aussterben bedroht. Der Grund ist der Verlust seines Lebensraums beispielsweise durch Entwässerung und zu viel Düngung. Aber auch weil zu häufig und zur falschen Zeit gemäht wird, werden die Nester zerstört.

Eine sechsköpfige Jury aus Mitarbeiter*innen und Mitgliedern des BUND-Landesvorstandes hat die Gewinner-Bilder ausgewählt. 

Weitere Informationen: 

Kontakt für Rückfragen:

  • Sylvia Pilarsky-Grosch, Landesgeschäftsführerin des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Baden-Württemberg e. V, sylvia.pilarsky-grosch(at)bund.net
  • Angela Koch, Referentin für Öffentlichkeits- und Pressearbeit des BUND Baden-Württemberg, angela.koch@bund.net , 0176/240 43107, angela.koch(at)bund.net

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