Solvay – unglaublich schmutzig

27. Januar 2026 | BUND Baden-Württemberg (BW), Chemie, Umweltgifte, Trinkwasser (BW), Klimaschutz (BW), Flüsse & Gewässer, Flüsse und Gewässer (BW)

Der Chemiekonzern Solvay ist Ende des Jahres 2025 in die Schlagzeilen geraten, als öffentlich wurde, dass das Unternehmen jahrzehntelang weitaus größere Mengen an klimaschädlichem Schwefelhexafluorid ausgestoßen hatte, als ihm genehmigt worden war. Doch dieses Gas ist nicht die einzige Chemikalie, die Solvay produzierte und der Umwelt damit einen immensen Schaden zufügte.

Solvay-Werk in Bad Wimpfen, Werk-Schild mit Beschriftung "Solvay Werk Wimpfen" und weißen Kühltürmen im Hintergrund Solvay-Werk in Bad Wimpfen  (Andrea Hohlweck / BUND BW)

Die Ursprünge des heutigen Chemiewerks des Solvay-Konzerns in Bad Wimpfen gehen auf das Jahr 1817 zurück. Damals siedete der Vorgänger “Saline Ludwigshalle” noch Salz am Neckar. Ab 1921 diente die Sole als Rohstoff für chemische Produkte.

Produktion des Ausgangsstoffes für FCKW

1963 startete das Unternehmen, das mittlerweile den Namen Kali-Chemie trug, die Produktion von Fluorwasserstoffen. Diese sind ein Ausgangsstoff zur Herstellung von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW), die auch in Bad Wimpfen produziert wurden. Ab Anfang der 1970er-Jahre verdichteten sich die Hinweise, dass FCKW die Ozonschicht schädigen. 1987 wurde das Montreal-Protokoll zur Reduktion der Produktion von FCKW beschlossen. Erst 1994 – und damit auf den letzten Drücker vor dem Verbot 1995 – stellte die nun zum Solvay-Konzern gehörende Firma die Produktion in Bad Wimpfen ein.

Produktion des Treibhausgases SF6

Kurz nach dem Einstieg in die Produktion von Fluorwasserstoffen folgte 1965 auch der in die Produktion von Schwefelhexafluorid (SF6). Schwefelhexafluorid ist das stärkste bekannte Treibhausgas. Seit spätestens 1990 wird dessen Klimawirksamkeit diskutiert, 1997 wurde es dann als eines von sechs Treibhausgasen ins Kyoto-Protokoll zum Schutz des Klimas aufgenommen. SF6 ist 23.500-mal klimaschädlicher als CO₂ und bleibt in der Atmosphäre über 800 bis 3.200 Jahre stabil. Eingesetzt wird SF6 vor allem in elektrischen Schaltanlagen als Isolator. Andere wichtige Anwendungen waren Füllgase für Schallschutzfenster und Schuhsohlen, die 2006 verboten wurden.

In ihrem Observatorium im Taunus haben Forschende der Goethe-Universität Frankfurt seit 2020 bei bestimmten Windlagen hohe SF6-Konzentrationen gemessen. Als wahrscheinliche Quelle wurde das Solvay-Werk in Bad Wimpfen ausgemacht. 2023 wurden die Erkenntnisse nach Angaben der Forschenden an das baden-württembergische Umweltministerium gespielt. Nach einem weiteren Jahr wurden im April 2024 dem Umweltministerium weitere Messergebnisse vorgelegt. Die Forschenden gehen von etwa 30 Tonnen jährlichen SF6-Emissionen statt den genehmigten 56 Kilogramm aus. Welche Mengen die Firma in den letzten 60 Jahren in die Atmosphäre emittiert hat, ist nicht seriös zu schätzen.

Produktion der Ewigkeitschemikalie TFA

1993 startete in Bad Wimpfen die Produktion der Ewigkeitschemikalie Trifluoressigsäure (TFA). Trifluoressigsäure als kleinste Ewigkeitschemikalie stand schon länger im Verdacht, gesundheitsschädlich zu sein. Im Mai 2025 stuften dann die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, das Bundesinstitut für Risikobewertung und das Umweltbundesamt TFA als fortpflanzungsgefährdend, sehr persistent und sehr mobil ein. Ein Verbot steht aus. Trotzdem hat Solvay die Produktion dieser Chemikalie in Bad Wimpfen Ende 2025 eingestellt. Welche Mengen an TFA am Standort Bad Wimpfen in den vergangenen 32 Jahren freigesetzt wurden, lässt sich nicht sagen.

620 Millionen Euro Umweltschaden durch SF6-Emissionen

Der Umweltschaden, den das Chemiewerk in den vergangenen 200 Jahren von Bad Wimpfen aus verursacht hat, kann nicht unterschätzt werden und dürfte den gesellschaftlichen Wert des Unternehmens in Form von Löhnen und Steuern weit übersteigen. Werden allein die 30 Tonnen SF6-Emissionen eines Jahres betrachtet, mit dem CO₂-Äquivalent von 23.500 und anschließend mit dem Ansatz des Umweltbundesamts für klimawandelverursachte Wohlfahrtseinbußen heutiger und zukünftiger Generationen von 880 Euro pro Tonne CO₂ multipliziert, hat Solvay jährlich einen Schaden von 620 Millionen Euro verursacht.

Über die im Text genannten Stoffe hinaus hatte Solvay in den vergangenen Jahrzehnten noch zahlreiche weitere Chemikalien produziert, die umweltgefährdend sind und weiter untersucht werden müssen.

 

Kontakt für Rückfragen:

  • Fritz Mielert, Referent für Umweltschutz beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Baden-Württemberg, 0711 620306-16, Fritz.Mielert(at)bund-bawue.de

 

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