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BUND Landesverband
Baden-Württemberg

Internationaler Tag der Artenvielfalt: Artensterben stoppen

21. Mai 2019 | Aktiv im Naturschutz (BW), Artenschutz (BW), Naturschutzpolitik (BW), Schmetterlingsland (BW), Landwirtschaft, Biotopverbund (BW), Streuobst (BW)

BUND und BUNDjugend Baden-Württemberg küren die Gewinner*innen des BUND-Fotowettbewerbs. Das Siegerbild zeigt eine Gottesanbeterin und wurde im Ortenaukreis geschossen.

Die Gottesanbeterin gibt es schon seit 340 Millionen Jahren. Heute steht sie in Baden-Württemberg auf der Roten Liste der gefährdeten Arten.  (Christoph Böhme)

Christoph Böhme aus Riegelsberg im Saarland hat das Gewinnerfoto bei einem Spaziergang in Ihringen (Kaiserstuhl) geschossen. Es zeigt eine Gottesanbeterin auf Beutejagd. Im Ortenaukreis entstanden ist das zweitplatzierte Bild. Hans-Joachim Grony entdeckte eine Ringelnatter auf einer Streuobstwiese im Naturschutzgebiet ´Saure Matten` bei Ettenheim. Der dritte Platz geht an Helga Rosenberger. Ihr Foto zeigt die Fütterung dreier Rauchschwalben-Jungen. Der Sonderpreis für den Artenschutz erhält Albrecht Nissler, der das Glück hatte, den seltenen Alpenbock vor die Linse zu bekommen. Insgesamt wurden 550 Naturfotos eingereicht. Zum Internationalen Tag der Artenvielfalt am 22. Mai präsentiert der BUND die Gewinner*innen-Fotos der Plätze 1 bis 5 sowie des Sonderpreises.

„Dem Fotografen ist in mehrfacher Hinsicht ein außergewöhnliches Foto gelungen. Zu sehen sind zwei Insekten, die heute in Baden-Württemberg immer seltener anzutreffen sind“, sagt Sylvia Pilarsky-Grosch, Landesgeschäftsführerin des BUND in Baden-Württemberg und Mitglied der Jury. Die Gottesanbeterin steht in Baden-Württemberg auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Wie viele andere Insekten leidet sie unter Pestiziden, die in ihren Lebensraum gelangen. Auch das Bergkronwicken-Widderchen ist stark zurückgegangen. Seit 1840 hat sich der Bestand der Widderchen in manchen Gebieten fast halbiert.

„Beeindruckend ist auch der spannungsgeladene Moment, der auf dem Foto eingefangen ist. Jeden Augenblick könnte die Gottesanbeterin zum Angriff ansetzen und den Falter verspeisen.“ Und tatsächlich: Christoph Böhme hat das Foto bei einem Spaziergang in Sasbachwalden (Ortenaukreis) geschossen. „Äußerst interessiert betrachtete die Gottesanbeterin das Nektar saugende Widderchen. Offenbar prüfte es, ob der Falter in ihr Beuteschema passt. Die rote Warnfarbe war wohl abschreckend genug. Das Widderchen blieb unversehrt und die Gottesanbeterin hat sich davon gemacht“, so der Gewinner.

Die  Gottesanbeterin

Zwar sieht sie aus wie ein harmloser Grashalm und ihre vor der Brust gefalteten Vorderbeine wirken, als würde sie beten. Doch der Anblick täuscht. Egal ob Fliege, Heuschrecke, Wespe oder Biene – nähert sich ein Insekt, schnellen die bedornten Fangarme der Gottesanbeterin in weniger als einer Zehntelsekunde vor und drücken die Beute an die Brust, wo sie bei lebendigem Leib verspeist wird. Ihre Fangstrategie hat sich bewährt. Immerhin gibt es die Gottesanbeterin schon seit 340 Millionen Jahren.

Sie ist ein wärmeliebendes Insekt, das vor allem im südlichen Baden-Württemberg vorkommt. Der Klimawandel und die steigenden Temperaturen treiben sie aber immer weiter in den Norden. Die Gottesanbeterin hat die erstaunliche Fähigkeit, bei jeder ihrer sechs bis acht Häutungen die Farbe der jeweiligen Umgebung anzupassen. Die Tarnung schützt sie vor Eidechsen, Vögeln und anderen Fressfeinden. Wird sie trotz Tarnung entdeckt, reißt sie ihre Vorderbeine hoch. Denn diese haben schwarzumrandete weiße Flecken auf der Innenseite. So erblickt ein Angreifer auf ein großes Augenpaar, das einen größeren gefährlicheren Gegner vortäuscht.

2 Fun Facts über die Gottesanbeterin und 1 Beobachtungstipp:

  • Die ´Ohren` der Gottesanbeterin liegen zwischen ihren Beinen auf ihrem Bauch. Damit hören sie sogar Fledermäuse, ihre natürlichen Feinde.
  • In schlechten Zeiten: Gibt es zu wenig Nahrung, fressen die Weibchen nach der Begattung die Männchen, um ihren Eiweißbedarf zu decken.
  • Beobachtungstipp: Naturliebhaber*innen können erwachsene Gottesanbeterinnen von Juli/August bis Oktober/November beobachten. Sie lieben sonnige Hänge, Büsche, Sträucher und Waldränder, doch man findet sie auch im Grasland.

Fotowettbewerb zum Schutz der Artenvielfalt

Der BUND Baden-Württemberg hat den Fotowettbewerb 2018 ins Leben gerufen, um für die Bedeutung der Artenvielfalt zu sensibilisieren. Jedes Jahr verschwinden viele Tier- und Pflanzenarten unwiederbringlich. Schaut man sich die Inventur der bedrohten Arten an, wird klar, die Situation ist alarmierend: Jede dritte der Tier- und Pflanzenarten in Baden-Württemberg ist gefährdet. Am stärksten betroffen sind Tagfalter. 80 Prozent sind bedroht, viele davon gar vom Aussterben. Bei den Säugetierarten sind es 70 Prozent der Arten, die gefährdet sind.

„Der UN-Weltbiodiversitätsrat hat vor wenigen Wochen in einem Bericht deutlich Alarm geschlagen. In den kommenden Jahrzehnten könnten weltweit eine Million Tier- und Pflanzenarten für immer verschwinden. Wir müssen die Warnungen Ernst nehmen und endlich handeln. Den Artenschwund zu stoppen ist eine der wichtigsten Menschheitsaufgaben unserer Zeit: Wir Menschen dürfen nicht weiter Pestizide und andere Schadstoffe in unsere Umwelt geben, Flüsse und Wiesen zubetonieren oder Wälder roden“, so Pilarsky-Grosch.

Sonderpreis Artenvielfalt: Stark gefährdeter Alpenbock

Einen Sonderpreis erhält BUND-Mitglied Albrecht Nissler aus Wolfschlugen im Landkreis Esslingen für seine Makroaufnahme eines Alpenbocks. Das Insekt ist eine FFH-Art. Die europäische Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie schützt natürliche Lebensräume und stark gefährdete Tiere und Pflanzen. Die Länder haben demnach eine große Verantwortung, diese Arten und ihre Lebensräume besonders zu schützen. In Deutschland kommt der Alpenbock nur in den bayrischen Nordalpen und im südlichen Baden-Württemberg vor. Der Fotograf über seinen seltenen Fund: „Im Bereich der Mittleren Schwäbischen Alb kann man diesem Juwel in den Buchenwäldern begegnen, wenn man zur richtigen Zeit, am richtigen Ort, bei entsprechenden Wetterbedingungen unterwegs ist. Ich hatte das Glück, diese Tiere immer wieder vor die Linse zu bekommen, auch bei Paarungsaktivitäten, beim Revierkampf oder bei der Eiablage.“ Ihr Lebensraum der lichten Buchenwälder mit Totholz wird immer seltener.

Aufruf das Artensterben zu stoppen

„Der BUND-Fotowettbewerb ist auch ein Aufruf, das Artensterben zu stoppen. Über fünfhundert Fotos haben uns erreicht. Jedes einzelne Bild zeigt einen besonderen Aspekt von Natur. Alle zusammen ergeben ein wundervolles Kaleidoskop der Tier- und Pflanzenwelt und sind gleichzeitig ein Weckruf, dass wir die Naturschätze unbedingt für die kommenden Generationen schützen müssen.“

Auf Entdeckungstour für die Natur: Platz 2 bis 5

Dass es sich lohnt, auf Entdeckungsreise in die Natur zu gehen, zeigen auch die Plätze 2 bis 5:

Platz 2: Ringelnatter in der Streuobstwiese

BUND-Mitglied Hans-Joachim Gornys Foto zeigt eine Ringelnatter in einer Streuobstwiese im Naturschutzgebiet ´Saure Matten` bei Ettenheim im Ortenaukreis. Auch der Bestand der Ringelnattern ist in den letzten Jahren rapide zurückgegangen. Die Ursache: Die Vernichtung und Zerschneidung ihrer Lebensräume. „Die Ringelnatter auf dem Foto hat Glück, denn sie lebt auf einer Streuobstwiese. Diese typisch baden-württembergische Kulturlandschaft ist ein Hotspot der Artenvielfalt. 5.000 Tier- und Pflanzenarten leben hier. Auch viele seltene Arten, wie das Foto beweist“, so die Jury. Doch in den vergangenen Jahrzehnten sind Streuobstwiesen dramatisch zurückgegangen. Seit den 1960er Jahren haben sich die Baumbestände fast halbiert: Gründe sind der Flächenfraß durch den Bau von Straßen und Gewerbegebieten sowie die Umwandlung in Intensiv-Obstplantagen.

Platz 3: Fütterung der Rauchschwalbenküken

Der dritte Preis geht an Helga Rosenberger aus SchwAigern (Landkreis Heilbronn). Sie fing mit ihrer Kamera den Moment ein, in dem eine Rauschwalbe auf ihre Jungtiere zufliegt und einem ihrer Jungen das Futter in den Schnabel legt. Ein seltener Anblick. Denn normalerweise füttern Rauchschwalben ihre Jungen in ihren Brutstätten. "Eine eindrucksvolle und seltene Momentaufnahme. Man hört beim Anblick des Fotos die Küken förmlich vor Hunger piepen ", so die Jury. Rauchschwalben haben einen sehr melodischen Gesang, der aus einzelnen Rufen zusammen gefügt wird. Man erkennt sie an ihrem „Wid-wid-wid“. Auch Rauchschwalben sind gefährdet. Der Grund: Es gibt immer weniger Insekten und immer weniger Nistmöglichkeiten.

Platz 4:  Naturschutzgebiet Schwenninger Moos

Karin Laufer aus Villingen-Schwenningen hat das viertplatzierte Foto bei einer Fahrradtour durch das Naturschutzgebiet Schwenniger Moos aufgenommen. Das Regenmoor, das heißt es speist sich aus Regen, ist für den Artenschutz sehr bedeutsam. Mehr als 400 Pflanzenarten sind hier zu finden. Viele von ihnen sind stark gefährdet. Bereits 90 Prozent der Moore sind in Deutschland durch Torfabbau oder Entwässerung verschwunden. Die größte Bedrohung für die Moore sind Klimawandel und Trockenheit. Die weltweite Zerstörung der Moore, bewirken pro Jahr drei Milliarden Tonnen CO2, die zusätzlich in die Atmosphäre entweichen. Der BUND Schwarzwald-Baar-Heuberg setzt sich seit zwei Jahrzehnten für die Renaturierung und die Pflege des Schwenninger Mooses ein. Mit Grabensperren haben BUND-Aktive das Moos wieder vernässt und vor der Austrocknung geschützt.

Platz 5: Leuchtender Salamander

Der fünfte Platz geht an Charlotte Oberteis aus Althütte-Waldenweiler. Sie hat die beeindruckende Nahaufnahme eines Feuersalamanders während einer Wald-Wanderung bei Althütte im Rems-Murr-Kreis gemacht. „Die ganze Familie wollten bei dem Ausflug in die Natur unbedingt einen Salamander sehen. Unser kleines Abenteuer in die „Wildnis“ hat uns viele verborgene Orte gezeigt. Belohnt hat uns schließlich dieser kleine Kerl, der sich uns mutig entgegen gestellt hat“, so die Fotografin.

Weitere Informationen:

Kontakt für Rückfragen:

  • Sylvia Pilarsky-Grosch, Landesgeschäftsführerin des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Baden-Württemberg e. V., sylvia.pilarsky-grosch(at)bund.net
  •  Angela Koch, Referentin für Öffentlichkeits- und Pressearbeit BUND Baden-Württemberg, angela.koch@bund.net , 0176/240 43107

Dies sind die Gewinnerbilder des Fotowettbewerb: natürlich Baden-Württemberg! 2019

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