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Die Landesvorsitzende des BUND eckt manchmal an - auch in den eigenen Reihen

Dr. Brigitte Dahlbender im Porträt

Dr. Brigitte Dahlbender

Ihr Herz gehört ihrer Familie und dem Naturschutz. Als Landesvorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz übt Brigitte Dahlbender Einfluss in umweltpolitischen Belangen aus. Dabei eckt sie gelegentlich an, auch in den eigenen Reihen.

Einsingen, eine kleine Gemeinde bei Ulm: Die Hofeinfahrt ist gepflastert, hinter der Garage ragt eine Wiese voller Sommerblumen hervor. Dies muss es sein, das Haus von Dr. Brigitte Dahlbender, Landesvorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Es öffnet eine kleine Frau in grünem Leinenkostüm und blondem Pagenschnitt.

In der Küche, am langem Arbeitstisch - mit Blick auf die Wiese - kommt die gelernte Biologin gleich zur Sache. "Ich habe Freude am politischen Wirken und bin überzeugt, dass wir in unserer Gesellschaft das Ehrenamt brauchen, gerade im Naturschutz. Deshalb habe ich mich bereit erklärt, das Amt der Vorsitzenden zu übernehmen."

Brigitte Dahlbender, die mit ihrem Mann und den beiden Kindern in Einsingen lebt, hat vor ihrer Wahl zur Vorsitzenden des BUND-Landesverbandes Ende1997, fünf Jahre als persönliche Referentin ihres Vorgängers gearbeitet. Zuvor hat sie für die Stadt Ulm ein Jahr lang als Biologin Gewässer kartiert und war an der Universität Köln als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig. Dazwischen liegen fünf Jahre Kinderpause.

Umweltschutz ist für Brigitte Dahlbender keine Floskel. Man nimmt ihr ab, dass sie zu dem steht, was sie sagt. Das Haus der Dahlbenders wurde mit natürlichen Baumaterialien erstellt, verfügt über dreifach verglaste Fenster und eine Solaranlage. Nach ihrer Wahl zur BUND-Vorsitzenden hat sie ihr Auto abgeschafft. Und dies, obwohl sie viel unterwegs ist. Mit dem Bus begibt sie sich mehrmals in der Woche zum Ulmer Bahnhof, um nach Stuttgart zu fahren. Freiwillig nimmt sie nicht unerhebliche Wartezeiten in Kauf.

Am 1.1.2001 zog die Landesgeschäftsstelle von Freiburg nach Stuttgart um. In der Landeshauptstadt trifft sich die Naturschützerin mit Parlamentariern und Ministern, um ihnen Vorschläge in Sachen Ökologie zu unterbreiten. Sie führt Gespräche mit anderen Verbänden, etwa dem Bauernverband, und immer wieder besucht sie auch einzelne Ortsgruppen. Schließlich ist es ihre Aufgabe, den BUND nach außen zu repräsentieren, aber auch nach innen zu führen. Dabei ist sie auch schon angeeckt. Mit dem Umzug der Landesgeschäftsstelle nach Stuttgart wollten sich die Mitglieder aus Südbaden nicht anfreunden.

In dieser Auseinandersetzung wurde Brigitte Dahlbender vorgeworfen, sie sei hartherzig und karrieresüchtig. Dies sei das einzige Mal gewesen, dass sie gespürt habe, dass sie als Frau angegriffen werde. Hätte ein Mann wie sie gehandelt, ist die Biologin überzeugt, hätte man gesagt, er sei durchsetzungsfähig und wisse was er wolle.

Ansonsten habe sie nicht das Gefühl, dass es eine Rolle spiele, dass eine Frau dem BUND vorstehe. In den Gremien versucht sie die anderen Teilnehmer - meist Männer - für Naturschutzanliegen zu gewinnen. "Wir entwickeln gemeinsam Strategien. Über die Zeit hinweg hat das Erfolg."

Für diese Arbeit bescheinigt sie sich selbst eine gewisse Konfliktfähigkeit und das Vermögen, strategisch zu denken. Sie könne auf Menschen zugehen, aber auch ihre Positionen vertreten. Und diese werden von Brigitte Dahlbender ohne Ausschweifungen klar formuliert und auf den Punkt gebracht: "Mein wichtigstes Anliegen ist, dass in Sachen Naturschutz wieder konsequent gehandelt wird. Im Moment steht vieles auf dem Papier. Es wird Zeit, dass diese Landesregierung wieder anfängt zu handeln."

Fragen zur Person

Frau Dahlbender, was würden Sie tun, wenn Sie ein Jahr lang ohne Beruf wären?
BRIGITTE DAHLBENDER: Mich auf den Weg machen und was Neues suchen.

Welches Buch ist Ihnen wichtig?
DAHLBENDER: Heinrich Mann, "Henry IV".

Welcher historischen Person wären Sie gerne begegnet ?
DAHLBENDER: Elisabeth I. von England. Sie war eine starke Frau.

Was bedeutet Erholung für Sie ?
DAHLBENDER: Urlaub mit der Familie.

Was stört Sie an Deutschland am meisten ?
DAHLBENDER: Es stört mich, dass wir Deutschen so strukturkonservativ sind. Wir sind unfähig zu spontanen Veränderungen, statt mit Optimismus die Zukunftsfragen anzugehen.

Welchen Gegenstand haben Sie immer dabei ?
DAHLBENDER: Ein Buch.



Stuttgarter Nachrichten Juli 2011

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