BUND-Ortsverband des Jahres 2010

Laudatio

von BUND-Landesvorsitzender Dr. Brigitte Dahlbender bei der Verleihung des Titels "BUND-Ortsverband des Jahres 2010" am 2. Mai 2011

Seit 2004 kürt der BUND-Landesvorstand den BUND-Ortsverband des Jahres. Zum zweiten Mal schrieb der Landesvorstand ein Thema für diesen Wettbewerb aus – diesmal ging es um BUND-Aktionen zu Energie und Klimaschutz. Das ist der mehrjährige landesweite Schwerpunkt des BUND in Baden-Württemberg.

Es ist mir eine Freude und eine Ehre, den Aktiven des BUND in Heidelberg den Titel „BUND-Ortsverband des Jahres“ verleihen zu dürfen. Was gab im BUND-Landesvorstand den Ausschlag, sich für Ihre Gruppe zu entscheiden?

So lassen sich die Gründe zusammenfassen:

In den vergangen drei Jahren zeigte der BUND Heidelberg ein sehr breites Spektrum spannender und vorbildlicher Aktivitäten im Klimaschutz. Darunter waren auch einige Ansätze, die für BUND-Gruppen neu sind. Auch die guten Klimaschutz-Projekte Ihrer 2007 gegründeten BUNDjugend spielte bei unserer Entscheidung für den BUND Heidelberg eine Rolle.

Ich möchte Ihnen nun über einige Aktivitäten unseres BUND in Heidelberg genauer berichten:

Mit ihrem Vorsitzenden Gerhard Kaiser hat der BUND seit vielen Jahren einen Vertreter im „Heidelberger Kreis für Klimaschutz“. Dort wird zusammen mit anderen großen Akteuren kommunale Klimaschutzpolitik diskutiert und weiterentwickelt.

Jüngstes Projekt ist der neu geplante Stadtteil Bahnstadt. Der BUND hat sich frühzeitig bei der Entwicklung des Energiekonzeptes eingemischt und erreicht, dass Passivhausstandard und Deckung des Energiebedarfs aus regenerativen Energiequellen in den Planungen festgeschrieben wurden. Nun müssen die Planungen auch umgesetzt werden. Auch hier sieht sich der BUND in Verantwortung, gibt Stellungnahmen ab und mischt sich gegebenenfalls ein, wo er die Gefahr einer Verwässerung der festgeschriebenen Standards sieht.

Beeindruckend ist die kritische Öffentlichkeitsarbeit, mit Aufgreifen aktueller, publikumswirksamer Themen: Zur Kopenhagen-Klima-Konferenz zeigte der BUND sowohl mit einer Demonstration, als auch in den Medien Flagge. Anstoß zum Nachdenken gibt ein fahrbares Solar-Eismobil.

Ein wichtiger Akteur in Heidelberg ist die BUNDjugend. Sie gründete sich 2007 nach einem Jugend-Workshop „Klimaschutz in der Stadt – global denken, lokal handeln“. Ihre erste und auf Anhieb erfolgreiche Aktion galt den aus den Boden schießenden Heizpilzen in Heidelberger Restaurants und Kneipen: „Heute schon Klima gekillt?“ stand auf Flugblättern, die in den Freiluftkneipen verteilt wurden. Das von der BUNDjugend geforderte Verbot der Energieschleudern wurde dann Anfang 2008 vom Gemeinderat beschlossen.

Auch der in unmittelbarer Nachbarschaft geplante Erweiterungsbau des Kohle-Kraftwerks Mannheim nahm die BUNDjugend ins Visier. Unter dem Motto „Kohle nur zum Grillen“ überreichte sie dem damaligen Umweltminister Sigmar Gabriel Grillkohle.

Aufklärungsarbeit über marode Atomkraftwerke in Bulgarien und Rumänien und eine Klimabilanz von weit gereistem Obst und Gemüse auf dem Wochenmarkt lenken den Blick über den eigenen Tellerrand.

Aktuelle Zielgruppe des BUND in Heidelberg beim Klimaschutz  sind die Studierenden: In deren Wohnheimen ist die Energiebilanz deutlich schlechter als die in vergleichbaren Wohngebäuden. Erreicht werden soll durch Beratung und Kommunikation eine um mindesten 15 Prozent verbesserte Bilanz. Dazu treten die drei teilnehmenden Wohnheime in Wettbewerb. Wer am meisten Strom spart, gewinnt eine Wohnheimparty.

Selbstverständlich macht der BUND damit auch an einm praktischen Beispiel auf den Nachholbedarf bei Gebäuden der öffentlichen hand aufmerksam. Das Land, aber auch die Kommunen, spielen bei der Energie-Effizienz noch lange nicht die Rolle, die ihnen zukommt. Wenn der BUND öffentlich macht, wie viel Energie gerade bei öffentlichen Gebäuden verloren geht und vergeudet wird, erhöhen wir den Druck auf Landesregierung und Kommunen, endlich Vorsorge zu treffen - zugunsten der Umwelt und zugunsten der Steuerzahler.

Mit dem BUND Heidelberg um den ehrenamtlichen Vorsitzenden Gerhard Kaiser würdigt der BUND-Landesvorstand erstmals die BUND-Gruppe in einer größeren Stadt. Für andere städtische Gruppen ist die Arbeit der Heidelberger vorbildlich. Sie, liebe Aktive vom BUND in Heidelberg, verwirklichen aber auch viele Aktionen, die BUND-Gruppen  in kleineren Orten nachmachen können.

Lieber Gerhard Kaiser, liebe Aktive von BUND und BUNDjugend in Heidelberg, im Namen des BUND-Landesvorstands gratuliere ich Ihnen herzliche zum Titel "BUND-Ortsverband des Jahres" und bedanke mich vielmals für ihr großes, einfallsreiches und andauerndes Engagement.

Die anderen Bewerber

„Die Bewerbungen waren alle so gut und von ähnlicher Qualität, dass die Entscheidung erst nach genauer Durchsicht fiel“, berichtete BUND-Vorstandsmitglied Richard Landenberger als Vertreter der Jury, die in intensiver Beratung eine Empfehlung aussprach.

 

Korntal-Münchingen und Bad Säckingen: Der BUND Korntal-Münchingen hatte bereits Anfang der 1990er Jahre eines der ersten Windräder im Land als Signal für eine neue Energiepolitik auf dem Hausberg „Grüner Heiner“ zum Drehen gebracht. In den vergangen beiden Jahren stellte die Gruppe um Wolf Ohl ein eindrucksvolles Info-Programm zur „Energie der Zukunft“ auf die Beine und sorgten, dafür, dass sich ihre Gemeinde bei der Solarbundesliga beteiligte.

Bürgerfinanzierte Solaranlagen und wochenlange Fach-Mitarbeit bei der 350 Seiten umfassenden BUND-Stellungnahme zum Bau des Pumpspeicherwerks Atdorf sind die Schwerpunkte des BUND Bad Säckingen. Auf drei Dächern erzeugen vom BUND auf den gebrachte Solaranlagen, von der Bevölkerung finanziert, umweltfreundlichen und rentablen Strom. Auch die BUND-Kindergruppe „Naturungeheuer“ befasst sich spielerisch mit der Erneuerbaren Energie.

Vorbild Ravensburg: In Ravensburg hat das Thema Energie und Klimaschutz eine lange Tradition: Die vom BUND mit angestoßene vorbildliche regionale Energie-Agentur feierte Anfang 2010 zehnjähriges Jubiläum. Hunderte von Energiespar-Investitionen bei Privat- und Gewerbebauten gehen auf das Konto der Agentur. Mittlerweile hat die Ravensburger Idee in fast allen Kreisen des Landes Fuß gefasst. Im November 2009 gelang dem BUND in Ravensburg das Kunststück, weitab von jedem Atomkraftwerk und außerhalb der großen Ballungsräume mehr als 2000 Menschen zu einer Demo gegen Atomkraft zu mobilisieren.  Die Ravensburger waren im Jahr 2000 auch die Erfinder des umweltfreundlichen BUND-Regionalstroms. Öffentlichkeitsarbeit und viele Aktivitäten Umweltbildung sowie die Mitarbeit beim Projekt „Energieholz aus der Landschaftspflege sind weitere Glanzpunkte aus den vergangenen Jahren. Neu ist das Angebot umweltfreundliches Oberschwabengas zu beziehen. 

 

 



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