Vorgetragen von Dr. Brigitte Dahlbender, BUND-Landesvorsitzende, bei den Naturschutztagen am Bodensee im Januar 2008.
Seit 2004 vergibt der BUND-Landesvorstand den Titel „BUND-Ortsverband des Jahres“. Diesmal bewarben sich sechs über ganz Baden-Württemberg verteilte BUND-Gruppen mit ihrer hervorragenden Arbeit. Es war noch schwerer als in den Vorjahren die beste Gruppe auszuwählen.
Der BUND-Landesvorstand entschied sich für zwei Preisträger. Angesichts sehr guter Leistungen aller Bewerber möchte ich Ihnen zunächst über einige Aktionen der Gruppen berichten, die den Preis nicht bekommen haben.
Der BUND Ettlingen, Kreis Karlsruhe, feierte 2007 sein 25jähriges Jubiläum. Die Gruppe belegte ihr gutes Wirken mit einer Sammlung von 60 Beiträgen in der örtlichen Tageszeitung seit 2005. Besonders beeindruckend ist die große Zahl an Führungen für Kinder aus unterschiedlichen Altersgruppen.
Der BUND Ingersheim, Kreis Ludwigsburg, dokumentiert in seiner Bewerbung einen vom BUND maßgeblich mitorganisierten Bürgerentscheid gegen eine problematische Umgehungsstraße. 65 Prozent der Bevölkerung konnten der BUND und seine Partner für die Teilnahme am Bürgerentscheid mobilisieren, eine ungewöhnlich hohe Quote. Zwei Drittel dieser 65 Prozent sprachen sich gegen den Bau der Straße aus. Das ist ein klares Votum und ein großer Erfolg des BUND in Ingersheim.
Landschaftspflege und Aktionen für Kinder stehen beim BUND-Ortsverband in Eppingen, Kreis Heilbronn, im Mittelpunkt. Es gibt drei nach Altersstufen eingeteilte BUND-Kinder- und Jugendgruppen. Mehrere Eppinger BUND-Vorstände haben eine Ausbildung in Seilklettertechnik. Sie pflegen im Auftrag des Forstamts alte Bäume und bieten spektakuläre Kletterausflüge in die Baumwipfel an.
Der BUND in Nagold, Kreis Calw, organisiert seit Jahren in eigener Regie jeden Sommer ein BUND-Ferienzeltlager. Mit 20 Kindern unternahmen sie dabei 2007 eine Reise in die Steinzeit. Eine große Schmetterlingsausstellung im Rathausfoyer war 2007 der Höhepunkt der breit gefächerten Öffentlichkeitsarbeit des BUND in Nagold.
Nun zu unseren Preisträgern:
Landesweit vorbildlich sind bei unserem Preisträger die Aktionen, die sich an Kinder und Familien richten. Die Aufmerksamkeit für dieses Thema zeigt sich an folgendem Satz aus der Bewerbung: „Unsere BUND-Gruppe hat 150 Mitglieder, darunter 70 Kinder und Jugendliche.“
Die beiden BUND-Kindergruppen heißen BUND-Spechte und Wühlmäuse, jeweils 22 Kindern treffen sich monatlich mit ihren drei bis vier Betreuerinnen. Die Jugendgruppe pflegt eine Streuwiese und baut derzeit ein Wildbienenhaus. Seit 2003 gibt es das BUND-Projekt „grüne Klassenzimmer“. Es ist ein qualifiziertes Umweltbildungsangebot an der örtlichen Grundschule. Eine Lehrbeauftragte des BUND betreute in diesem Schuljahr 100 Kinder. Die BUND-Gruppe startete vor einigen Jahren die Initiative für einen Waldkindergarten, der mittlerweile seine Arbeit aufgenommen hat.
Einflussnahme durch Stellungnahmen und fachliche Beratung der Gemeindeverwaltung sind ein weiterer Schwerpunkt. Der BUND-Ortsverband hat die Lokale Agenda 21 auf den Weg gebracht, die gute Ergebnisse hervorbringt. Es entstand unter anderem eine Dokumentation zum Flächenverbrauch in der Gemeinde. 2007 gab die Gruppe Anregungen zum Gemeindeentwicklungsplan. Ebenfalls 2007 wurde damit begonnen, alle erneuerbaren Energie-Anlagen in der Gemeinde zu kartieren.
Die Gruppe ist vielfältig mit anderen Initiativen des Ortes vernetzt und hat einen guten Stand im Rathaus. Aus einer langjährigen Amphibienaktion heraus konnte die Gruppe einen funktionierenden Tunnel für die Tiere durchsetzen.
BUND-Aktive aus dem Kreis- und Regionalverband bezeichnen die Gruppe als „Juwel“ im BUND der Region Stuttgart.
Der BUND-Ortsverband des Jahres 2007 kommt aus dem Kreis Böblingen, es ist Weil im Schönbuch.
Wie bereits angekündigt, hat sich der BUND-Landesvorstand entschieden, in diesem Jahr zwei Ortsverbände als Sieger auszeichnen. Nun also zu unserem weiteren Preisträger:
Vor 25 Jahren begann die Gruppe mit Themen, die auch heute noch aktuell sind. Umweltvernichtung, fortschreitender Flächenverbrauch, Aufwertung eines Flusstals, unnatürliche Produktion unserer Nahrung. Heute ist der 130 Mitglieder zählende BUND-Ortsverband wichtiger Bestandteil des Geschehens in der 3 200-Seelen-Gemeinde.
Eindrucksvoll ist das Luftbild mit den 30 über die ganze Gemarkung verteilten Wirkungsplätzen des BUND. Wichtige Aufgaben dabei sind Wiesen- und Heckenpflege, Baumschnitt, Exkursionen und ein großes Kinderprogramm.
Die BUND-Gruppe organisiert außerdem den Recyclinghof der Gemeinde.
Auch der Rekordhalter bei der Mitgliederwerbung im BUND Baden-Württemberg, Horst Mathes, kommt aus dieser Gruppe. 2007 hat er 30 BUND-Mitglieder geworben.
Die BUND-Gruppe bringt bei Planungsverfahren der Gemeinde ihre Vorschläge ein. Die Betreuung der Schutzgebiete erfolgt in enger Abstimmung mit der Gemeinde.
Mit einer dreitägigen Busfahrt und einer Reihe von gemeinsamen kulinarischen Ereignissen pflegen die Aktiven der BUND-Gruppe die Geselligkeit.
Der Preisträger kommt aus dem Alb-Donau-Kreis, es ist der BUND-Ortsverband Staig.