Laudatio von Dr. Brigitte Dahlbender, BUND-Landesvorsitzende
Lieber Reinhard Wolf,
sehr geehrter Herr Regierungspräsident Schmalzl,
liebe Gäste,
im Frühjahr 2006 schuf der BUND-Landesvorstand den Gerhard-Thielcke-Naturschutzpreis, benannt nach dem Gründungsmitglied und langjährigen Landesvorsitzenden unseres BUND. Gerhard Thielcke formulierte auch die Vergabe-Kriterien für den Preis, den Einzelpersonen innerhalb und außerhalb des BUND bekommen können.
Bei den traditionellen Naturschutztagen am Bodensee 2007 vergaben wir den Gerhard-Thielcke-Naturschutzpreis erstmals. Den Preisträger Eberhard Koch aus Gottmadingen im Kreis Konstanz, ein Naturschützer aus den Reihen unseres BUND, hatte Gerhard Thielcke selbst vorgeschlagen. Ein Jahr später ehrten wir Günter Künkele aus Bad Urach.
Mit Reinhard Wolf hat der BUND-Landesvorstand erstmals einen Vertreter aus dem amtlichen Naturschutz ausgewählt. Unser neuer Preisträger hatte mehr als 20 Jahre lang intensiven Kontakt mit Gerhard Thielcke. Sie haben sich bei Tagungen und Exkursionen immer wieder getroffen und sehr gut verstanden. Ich bin mir sicher, dass Gerhard Thielcke mit dieser Wahl mehr als einverstanden wäre.
Landeskonservator Reinhard Wolf ist ein Glücksfall für den Naturschutz. Beruflich und privat engagiert sich der studierte Geograph für die Bewahrung heimischer Naturschätze. Reinhard Wolf ist ein Mann, der den Naturschutz mit Sachkenntnis und guten Ideen, mit Hartnäckigkeit und vor allem mit viel Herzblut vorangetrieben hat. Häufiger als bei anderen Naturschützern fällt bei ihm das Wort „Heimat“, und das in einem ausgesprochen positiven und zukunftsfähigen Sinn. Landschaften in Baden-Württemberg liegen ihm besonders am Herzen. Als Lebensräume für Tiere und Pflanzen, aber auch als Erlebnis-, Erholungs- und Urlaubslandschaften. In einem Urlaubsland wie Baden-Württemberg ist Naturschutz auch immer ein Stück Förderung des Tourismus. Man kann seine Arbeit somit auch als zukunftsfähige Wirtschaftsförderung verstehen.
Die Schutzgebiete, Naturdenkmale und die anderen Rückzugsräume für die Natur zu bewahren, sie zu pflegen oder gar miteinander zu vernetzen stößt oft auf Widerstände. Auch eine Naturschutzbehörde muss Überzeugungsarbeit leisten und Reinhard Wolf hat dies engagiert und mit vielen guten Ideen getan. Mit Regierungspräsident Andriof hat er, begleitet von Journalisten, rund 40 Naturschutzgebiete besucht. Mit Ihnen, sehr geehrter Herr Schmalzl, organisierte Reinhard Wolf – neben vielen anderen naturschutz-bezogenen Ereignissen - im Jahr 2008 einen zünftigen Pflegeeinsatz im Rahmen der »Aktion Biologische Vielfalt«. Und wie ich höre, unternehmen auch Sie gelegentlich unter der Führung von Herrn Wolf Exkursionen in neue Naturschutzgebiete und zu anderen Brennpunkten des Naturschutzes.
Auch im direkten Kontakt hat Reinhard Wolf viele Naturschützer geprägt, viele Naturbeobachter und Wanderer zum engagierten Naturschutz motiviert. Und das nicht nur hier im Mittleren Neckarraum, sondern weit darüber hinaus. Es sei daran erinnert, dass er zunächst die Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege zehn Jahre in Karlsruhe und dann die gleiche Fachbehörde in Stuttgart geleitet hat.
Bereits mit 13 Jahren wurden Sie, lieber Herr Wolf, Mitglied des Schwäbischen Albvereins! Und damit komme ich auf Ihr außeramtliches, ehrenamtliches Engagement zu sprechen. Heute sind Sie Vizepräsident des Schwäbischen Albvereins, ferner sind Sie im Vorstand des Schwäbischen Heimatbunds und der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Landesverband Baden-Württemberg. Als Marbacher sind Sie auch Mitglied im Schillerverein! Ihr reichhaltiges Wissen stellen Sie über Ehrenämter zahlreichen Vereinen, Jurys und Lenkungsausschüssen zur Verfügung.
Reinhard Wolf handelt nach dem Motto, stets das Beste aus den vorgegebenen Bedingungen zu machen. Meist gelingt ihm noch mehr: Wo beruflich Grenzen gesetzt sind – mobilisiert er ehrenamtlich Unterstützung.
»Ohne Ehrenamtliche geht es im Naturschutz nicht«, sagt Reinhard Wolf.
Er selbst ist Mitglied und Vorstandsmitglied in einer Reihe von Verbänden. In und um seinen Heimatort Marbach am Neckar erhält er mit verschiedenen Gruppen schon lange Jahre Hecken, Hohlwege und Bäche. Auf Landesebene hat er wichtige Initiativen angestoßen wie die Verleihung des Kulturlandschaftspreises durch den Schwäbischen Heimatbund oder die Erfassung von Kleindenkmälern durch Ehrenamtliche von Schwäbischem Albverein und Schwarzwaldverein. So viel Einsatz hat auch einen Preis: Gut 36 Wochenenden war er 2008 ehrenamtlich unterwegs.
»Das A und O ist es, den Menschen die Augen zu öffnen für die schönen Dinge, die sie umgeben«, sagt Reinhard Wolf.
Dazu gehört auch seine Arbeit als Autor und als PR-Fachmann: Mit dem Fernsehen hat er 25 Beiträge der SWR-Reihe »Treffpunkt im Grünen« gedreht. Mit zahlreichen spannenden Zeitschriftenbeiträgen und einer ganzen Reihe Bücher wirbt er für den Naturschutz. Reinhard Wolf hat dafür eine einfache Begründung:
„Was keiner mehr kennt und schätzt, ist dem langsamen Verfall preisgegeben oder wird schnell umgesägt, ausgerissen, zugeschüttet.“
Unter den Naturschutz-Fachleuten, die schreiben und Vorträge halten, sind Sie einer der fleißigsten. Rund 200 Veröffentlichungen und zahlreiche Bücher stammen aus Ihrer Feder, in denen Themen zur Kulturlandschaft, zu Hohlwegen, Trockenmauern und Heiden sicher dominieren. Auch Grenzsteine und gusseiserne Tafeln sind als Zeugen der Vergangenheit und Objekte der Regionalkultur Inhalt Ihrer Veröffentlichungen.
Nun gibt es viele Menschen, die viel veröffentlicht haben. Es ist aber nicht die Menge, sondern die Art, wie jemand etwas sagt oder schreibt, die einen Autor zu einem besonderen Autor werden lässt.
Was ist das Besondere bei Ihren Vorträgen und Veröffentlichungen?
Zunächst: Wie nur wenige andere in Baden-Württemberg verstehen Sie es, lieber Reinhard Wolf, den Wert einer Landschaft für den Naturschutz mit der Schilderung ihrer Schönheit zu verbinden. Und das in einer liebevollen, mitunter poetischen Sprache.
Dazu ein Auszug aus Ihrer Würdigung der Landschaft des Jahres 2009, Zabergäu, Stromberg und Heuchelberg:
Weinberge, Obstbaumwiesen, Felder und Wiesen in unmittelbarer Nähe, die Ortschaften entlang der Zaber im Mittelgrund, und jenseits in der Ferne ein langgestreckter Höhenrücken, der den Horizont begrenzt und dem Ganzen einen Rahmen gibt: Die Nähe ist von Ferne stets begleitet ... Und dann diese freundliche, offene Landschaft, die vor uns ausgebreitet liegt und an mediterrane Bilder erinnert, die Wesenszüge der Toskana trägt; eine Landschaft, die nicht abgeschlossen ist, sondern sich nach Osten öffnet ins weite Neckarland: ... und in die Enge reicht ihr großes Licht! Es ist eine eigene kleine Welt, das Zabergäu, eine Landschaft, die dem ganzen Charakter nach zum württembergischen Unterland gehört und doch ihre eigenständigen Wesenszüge aufweist.
Auf der anderen Seite reden Sie auch in Fragen der Naturschutzpolitik Tacheles, wenn es nötig ist. Hier Ihr Appell zum Schutz der Streuobstwiesen:
Wollen wir aus sonnigen Neckarlandgemeinden wie Marbach oder den Albvorland-Gemeinden Waldgemeinden machen? Nein - wirklich unvorstellbar! Nachdem niemand will, dass die Streuobstwiesen weiterhin als Baulandreserve fungieren, haben wir eigentlich gar keine Alternative, als sie zu pflegen und zu erhalten! Wir tun also gut daran, uns schleunigst Gedanken darüber zu machen, wie unsere 180.000 Hektar Streuobstwiesen im Jahr 2050 aussehen sollen. Und dann kommt man schnell zur Erkenntnis, dass nur zweierlei hilft: Erstens heimischen Apfelsaft trinken statt 08/15-Saft aus dem Ausland, und zweitens den Streuobstbau fördern, wo es geht. Zahlreiche Initiativen zur Saftvermarktung und zur Förderung des Streuobstbaus gibt es. Sie verdienen es, unterstützt zu werden, wie und wo immer es geht.
Klar und deutlich auch Ihr Kommentar unter dem Foto eines flächenfressenden Gewerbegebiets:
So darf es nicht weitergehen! Der Kern dieses Städtchens im Kochertal ist kaum noch auszumachen. In der Talaue wächst und wächst das Gewerbegebiet, und über Hänge und Höhen ergießen sich die Wohnsiedlungen.
Es freut mich, dass Sie sich auch mit dem Begriff Nachhaltigkeit befasst haben, und zwar in einem Bericht des Schwäbischen Heimatbunds unter dem Titel „Jetzt das Morgen gestalten“. Nachhaltigkeit ist ja ein Kernthema unseres BUND. Mit zahlreichen Veranstaltungen auf der Basis der Studie „Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt“ stoßen wir derzeit eine breite gesellschaftliche Debatte an.
Im Hinblick auf den Umgang der Landesregierung mit der Zukunft unseres Landes erinnern Sie als Autor eines öffentlichen Berichts des Schwäbischen Albvereins den Ministerpräsidenten an dessen eigene Willensbekundungen. Dass Sie genau diese Oettinger-Zitate gewählt haben, dokumentiert Ihr hervorragendes politisches Gespür und Ihren Mut, den Finger in die richtigen Wunden zu legen.
Im Frühjahr 2007 hatte Herr Oettinger geschrieben:
"Wir wollen sicherstellen, dass auch unsere Kinder und künftige Generationen in einem attraktiven und lebenswerten Land, in einer intakten Umwelt und einer stabilen Gesellschaft leben können. Es muss unser gemeinsames Ziel sein, die hohe Lebensqualität im Land, die ökologische Qualität unserer heimischen Natur und den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg zu sichern und in bestmöglicher Weise fortzuentwickeln. Hierfür sind eine Verminderung der Umweltbelastungen und eine umfassende Erhöhung der Ressourceneffizienz unverzichtbar."
Und Sie erinnern daran, dass der Ministerpräsident selbst an seinen Bemühungen zur Nachhaltigkeit gemessen werden will: "Der Scheinwerfer ist auf uns gerichtet, und ich sage Ihnen: Wir werden uns messen lassen an dem, was wir heute hier gesagt haben!"
Lieber Reinhard Wolf, der BUND Baden-Württemberg dankt Ihnen für diesen vielfältigen Einsatz sehr herzlich. Es ist einfach großartig, was sie für die Landschaft, für die Natur, für unsere Heimat geleistet haben.