"Die Bewahrung der Schöpfung beginnt im eigenen Heizungskeller", sagt Jobst Kraus. Der Studienleiter der Evangelischen Akademie Bad Boll gilt zu Recht als Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit. Im Mai 2011 hat der BUND ihn mit der Ehrenmedaille ausgezeichnet.
Noch etwas aufgewühlt von der Preisverleihung führt Jobst Kraus uns in das lichtdurchflutete Café Heuss der Akademie. Der Vater dreier Kinder macht kein Aufheben um seine Person, obwohl er schon so vieles in der evangelischen Kirche bewirkt hat. "Die Schöpfung bewahren" und "Globale Gerechtigkeit" sind nur zwei Themen, zu denen der 64-Jährige Veranstaltungen auf den Weg gebracht, organisiert und moderiert hat. In Bad Boll hat Kraus durch das Projekt "Vom Reden zum Tun – Akademien entdecken ihre ökologische Verantwortung" ihre nachhaltige Entwicklung wesentlich mit angestoßen. Auch wenn das Nachhaltigkeitsmanagement im landeskirchlichen Bereich noch nicht flächendeckend selbstverständlich geworden ist. Bisher arbeiten erst rund 120 von 1500 Kirchengemeinden mit dem kirchlichen Umweltmanagementsystem "Grüner Gockel": Von der Evangelischen Akademie Bad Boll und ihren Versuchen, nachhaltig zu wirtschaften, sind in den letzten fast 30 Jahren viele Impulse ausgegangen. Kirchliche und nicht-kirchlichen Einrichtungen stellten ihre Küchen auf öko-fair um, bauten Blockheizkraftwerke oder ökologisierten ihre Beschaffung.
Der Studienleiter für den Umweltbereich, der seit 1991 BUND-Mitglied ist, veranstaltete mit dem BUND auf Bundes- und Landesebene viele Tagungen und ermöglichte es dem Landesverband immer wieder, seine Landesdelegiertenversammlung in Bad Boll abzuhalten. Er geht in diesem Jahr in den Ruhestand.
BUND: Herr Kraus, Sie gelten als Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit und Glaube. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, christliches Denken mit dem Umweltschutz zu kombinieren?
Jobst Kraus: In Bad Boll hatte ich beobachtet, dass eine große Lücke zwischen den Ansprüchen, die wir vermitteln, und dem eigenen Wirtschaften klafft. Stellvertretend hierfür stand zum Beispiel die Frage: "Warum habe ich mehr Plastik als Essen auf dem Teller?". Die Kirche darf sich nicht damit zufrieden geben, Denkschriften und Beschlüsse zu fassen. Oft vergisst sie, dass die Bewahrung der Schöpfung auch im eigenen Heizungskeller beginnt. 1984 haben wir an der Akademie deshalb begonnen, als erster Großhaushalt eine ökologische Buchhaltung zu erstellen.
Sie haben in der evangelischen Kirche im Umweltbereich viel bewirkt. Auf was sind sie dabei besonders stolz?
Ich tue mich etwas schwer mit dem Begriff "stolz". Was ich immer als Privileg meiner Arbeit angesehen habe, ist, dass ich vor vielen Jahren – auch durch Tschernobyl – neben der eher theoretischen Tagungsarbeit meinen eigenen Schreibtisch als "Tatort" entdecken konnte. Neben Tagungen und Veranstaltungen ging es auch um den eigenen Haushalt hier in der Akademie und das ökologische Wirtschaften der Kirche überhaupt. Vor mittlerweile 18 Jahren habe ich dann zusammen mit dem Öko-Institut und EBÖK (Energieberatung und ökologische Konzepte) in Tübingen das Projekt "Energisch Energiesparen in der Kirche" ins Leben gerufen. Wir wollten die Kirche unter anderem mit dem Hinweis, dass Landeskirchen und Diakonie in den Bereichen Wärme und Strom mehr CO2 verursachen als der gesamte Staat Bolivien, herausfordern, mit Energie bewusster umzugehen. Das ist eine Herausforderung, die heute mehr denn je gilt. Seit 2000 bin ich als Sprecher des Ständigen Ausschusses Umwelt für die ökologische Ausrichtung des Evangelischen Kirchentages zuständig und denke, dass wir auch da viel erreicht haben.