Bäche und Flüsse sind Lebensadern für eine große Zahl von Pflanzen und Tieren. Wie kaum ein anderer Lebensraum wurden Fließgewässer von Menschen für ihre jeweiligen Ansprüche umgestaltet - meistens zu Lasten unserer Mitlebewesen. So schrieb Max Honsell schon im Jahre 1885: "Der Rhein, wie Sie ihn heute sehen werden, könnte als Artefakt bezeichnet werden; der Ingenieur hat ihm seinen Lauf angewiesen, und durch künstlich verteidigte Ufer wird er in seinem Bett festgehalten. In der ganzen 270 Kilometer langen Strecke vom Austritt aus der Schweiz bis unter die Neckarmündung ist der Strom in ein geschlossenes Bett von gestreckter Richtung eingeleitet ..."
Wie verschieden dazu natürliche Flüsse strukturiert sind, beschreibt Wolfgang Engelhardt 1973: "In Jahrtausenden hat der Fluß seinen Lauf den Geländeformen angepaßt: Bögen und Schlingen wechseln mit kurzen geraden Strecken. Bald engen Steilhänge das Flußbett ein, bald weitet es sich zwischen Flachufern. Entsprechend unterschiedlich ist auch die Wassertiefe: hier bilden sich Strudel und tiefe Kolke, dort zerteilt sich das Wasser in seichten Armen zwischen Kiesbänken, hier reißende Strömung, dort langsames Fließen... auf einem einzigen Quadratmeter der Sohle eines solchen natürlichen Flusses könnten tausende von Tieren leben. Aber einen Fluß, der so aussieht, gibt es in Mitteleuropa nicht mehr."