Eingriffe in den Fluss

Bild: Andre´ Fellhauer
Auch Weißstörche brüten in den Auen der Radolfzeller Aach

Die Radolfzeller Aach teilte das Schicksal der meisten deutschen Flüsse: Einzelne Eingriffe (Mühlenkanäle, Begradigungen) gab es schon vor 1495. Systematische Eingriffe seit 1860. Dabei wurden alle Mäander im Mittellauf durchschnitten. Für den Fluss grub man ein neues Bett. Einige Mäander sind noch als Altarme erhalten.

Es entstand ein Kanal, durch den der Fluss um 40 Prozent kürzer und sein Sohlgefälle auf Teilstrecken um bis 70 Prozent steiler wurde. Dieser kanalartige Verlauf wird regelmäßig mit schwerem Gerät geräumt. Kraftwerksbetreiber errichteten an 11 Stellen Wehre. An diesen Stellen bestanden vorher in vielen Fällen Mühlenwehre, die häufig bis ins hohe Mittelalter zurück datiert werden können.

1964 griffen die Behörden noch einmal massiv in den Fluss ein, indem sie systematisch am Unterlauf der Aach die letzten Fluss-Schlingen durchstießen und den Flusss damit um vier Kilometer verkürzten.

1991 haben Landschaftsökologen 30 Prozent des 32 Kilometer langen Flusslaufs als natürlich eingestuft und 70 Prozent als naturfern bis naturfremd.

Weitere Eingriffe: Bis 1980 dauerte die Einleitung kommunaler und industrieller Abwässer. Ins Wasser gestürzte Bäume wurden im Rahmen der Unterhaltung herausgezogen. Noch heute werden auf größeren Abschnitten Unterwasserpflanzen gemäht.

Eingriffe in die Flussaue: Der Auenwald wurde schon im frühen Mittelalter vollständig beseitigt und in Dauergrünland umgewandelt. Dessen Anteil verringerte sich in dem 3 763 Hektar großen Talraum von 1750 bis Ende der 1990er Jahre auf 40 Prozent. Gleichzeitig vergrößerten sich Siedlungen, Gärten und Äcker von 17 auf 40 Prozent. Grundwasser wurde und wird in großem Umfang genutzt. Das geklärte Abwasser läuft seit 1980 in die Großkläranlage Ramsen und von dort geklärt in den Hochrhein, womit der Talaue und dem Fluss viel Wasser verloren geht. Bau von Verkehrswegen und Leitungstrassen.

Gründe für die Eingriffe: Gewinnung von intensiver landwirtschaftlich nutzbarem Land und von Siedlungsfläche durch Hochwasserfreilegung, Produktion von Fischen in Fischteichen. Land und Siedlungen wurden weniger häufig überschwemmt. Ausbau der Bewässerung von Wiesen, um mehr Futter zu produzieren. Gewinnung von Strom. Sicherung von Verkehrswegen und Leitungstrassen.

Ökologische Folgen der Eingriffe: Verkleinerung der Lebensräume für Pflanzen und Tiere im Fluss und in der Flussaue. Geringere Selbstreinigungskraft des Flusses. Stark negative Auswirkungen für wandernde Wassertiere, die nicht fliegen können. Abdichtung der Flusssohle in den aufgestauten Abschnitten. Belastung des Wassers mit Futterresten und Medikamenten aus Fischteichen. Verringerung der Erlebniswelt für Anwohner und Gäste.

Schutz: In der Talaue, die 3 763 Hektar groß ist, blieben trotz aller Eingriffe 2 700 Hektar als wertvolle Flächen für Pflanzen und Tiere erhalten. Davon sind heute 790 Hektar Naturschutzgebiete und 130 Hektar Paragraf 24-Gebiete. Alle Naturschutzgebiete und ein weiteres etwa 30 Hektar großes Gebiet wurden von der Landesregierung als NATURA 2000-Gebiete an die Europäische Union gemeldet.



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