Renaturierung 1988 bis 2004

Die Renaturierung des Abschnittes A 98 bis Beuren mit einer Länge von zunächst 1,2 inzwischen von 1,4 Kilometer Länge erfolgte in mehreren zeitlichen Abschnitten:

  1. 1988
  2. 1996-1997
  3. 1999 bis heute

1988: Bruch eines Damms an einem Wässerwiesenwehr

Radolfzeller Aach 1988 vor dem Mäandrieren. Foto: Gerhard Thielcke
Radolfzeller Aach 1988 vor dem Mäandrieren

Der seitliche Mäander löste auf 300 Metern weiteres Mäandrieren aus (Bild: 1989). Es entstanden Uferabbrüche und auf der gegenüberliegenden Seite Kiesinseln, Flutrinnen und kleine Altarme. Fallen Kiesinseln trocken, entwickeln sich Pionierpflanzen geradezu explosionsartig. Mitunter werden bei anhaltendem Hochwasser fast alle fortgerissen.

Bis 2003 ist der Fluss dreimal so breit geworden wie vor 1988. Da der Besitzer dieser Fläche keinen Antrag auf Wiederherstellung seines Ackers gestellt hatte, unternahm die Verwaltung nichts. Seit der Novellierung des Wassergesetzes für Baden-Württemberg im Jahr 1995 besteht kein Recht auf Wiederherstellung des alten Zustands.

Der Fluss 1989. Foto: Gerhard Thielcke
Der Fluss 1989

An die Mäanderstrecke schließt sich ein 700 Meter langer kanalartiger Abschnitt an. Noch in den 1980er Jahren wurde er geräumt. Inzwischen bilden sich erste Kiesbänke.

Seine Ufer sind zum Teil mit Steinen verbaut und mit ausgebaggertem Kies aufgefüllt. Am Ufer wachsen Bäume, Sträucher, Hochstauden und Wiesenpflanzen. Er wirkt relativ naturnah. Neu neben dem Fluss gepflanzte Bäume und Sträucher sollen sich zu einem kleinen Auwald entwickeln.

Radolfzeller Aach 2003. Foto: Gerhard Thielcke
Radolfzeller Aach 2003

1996/97: Bau eines Sedimentfangs am Ortsrand Beuren

1996/97: Ersatz des Wässerwiesenwehrs durch eine Rauhe Rampe. Foto: Gerhard Thielcke
1996/97: Ersatz des Wässerwiesenwehrs durch eine Rauhe Rampe

Dafür wurde neben dem kanalartigen Fluss ein 40 Meter langer, stark aufgeweiteter Mäanderbogen gebaut. Inzwischen hatten sich hier große Kiesinseln gebildet, die im Winter 2001/2002 ausgebaggert wurden, um den Weitertransport des Sediments bis zum Stauwehr unterhalb Beurens zu verhindern.

Aus dem alten geraden Fluss neben dem neuen wurde ein Altarm, der über ein Rohr von 50 Zentimeter Durchmesser aus der Aach gespeist wird. Ein zweites Rohr zur besseren Versorgung des Altarms mit Wasser ist in Planung. Am Einfluss dieses Altarms in den Fluss wurde 2002 eine Kiesbank zum Altarm gebaut. Sie soll die Zuführung von Wasser in Trockenzeiten/ Niedrigwasserperioden in den Ortsbach verbessern.

1996/97 Bau eines Doppelmäanders. Foto: Gerhard Thielcke
1996/97 Bau eines Doppelmäanders

Mit der Rauhen Rampe wird der Fluß daran gehindert, rückwärts zu erodieren, wodurch die Standsicherheit der Autobahnbrücke hätte gefährdet werden können. Die neue Sohlgleite ist aufgrund ihrer Konstruktion und einer Steigung von 1 : 20 für Fische und Kleinlebewesen durchgängig.

 

Zwischen der neuen Sohlrampe und dem Standort des inzwischen abgebauten Wehrs erhielt die Aach ein neues 300 Meter langes Bett in Form eines Doppelmäanders. Das neue Bett ist strukturreich und variiert in Breite, Tiefe, Substrat und Böschungsneigung. Neben einem Hochspannungsmasten auf der einen und einer Autobahnabfahrt auf der anderen Seite haben die Spezialisten das Ufer mit großen Felsbrocken gesichert. Daran schließen flussabwärts Ufer an, die rechtsseitig mit eingerammten Pfählen und Weidenfaschinen befestigt sind. Diese Weidenzweige trieben Wurzeln und Sprosse. Die Sprosse sind inzwischen zu mehreren Meter hohen Gehölzen herangewachsen. Die Gewässerdirektion hat auf beiden Seiten des Flusses kleinere Flächen locker mit Bäumen zur Begründung eines Auwalds bepflanzen lassen. Dazwischen wachsen Hochstauden und ein Dschungel von Brombeeren.

Leben zwischen Wasser und Land. Foto: Gerhard Thielcke
Leben zwischen Wasser und Land ...

Während eines Hochwassers im Jahr 2000 brach das Ufer rechtsseitig auf 23 Meter Länge ab. Es entstand eine bei Hochwasser 80 Zentimeter hohe Steilwand und unterhalb davon eine Kiesinsel. Auf dem gegenüber liegenden Ufer hat das Wasser das Ufer ebenfalls erodiert, und unterhalb der Sohlgleite bildete sich eine weitere Kiesinsel.

Uferabbruch: Ideales Brutrevier für den Eisvogel. Foto: Gerhard Thielcke
Uferabbruch: Ideales Brutrevier für den Eisvogel

Neben dem Fluss verläuft ein künstlicher mit Aachwasser gespeister Bach von etwa 200 Meter Länge, der ursprünglich zur Wiesenwässerung angelegt wurde.

1996/97: Beseitigung von Fischteichen im Bereich des Doppelmäanders: Mit Aachwasser gespeiste Fischteiche, aus denen Futterreste und andere problematische Stoffe in den Fluss gelangten, wurden beseitigt.

1999/2000: Anlage von Wässerwiesen

Wässerwiesen bei Singen-Beuren. Foto: Gerhard Thielcke
Wässerwiesen bei Singen-Beuren

Die Wässerwiesen entstehen auf einer Fläche, die auch früher dafür genutzt wurde und sechs Hektar beträgt. Bei Flutung entsteht auf diesen Wiesen ein Mosaik von verschieden hoch unter Wasser stehendem Grünland mit kleinen vegetationslosen oder veralgten Flächen und verschieden hohem Bewuchs.

2001/2002: Anlage von Blänken. Foto: Gerhard Thielcke
2001/2002: Anlage von Blänken

Für die Flutung der Wässerwiesen war es notwendig, den noch vorhandenen Graben von etwa 1,2 Kilometer Länge zu reaktivieren, der nun ständig Wasser führt. Dies hatte die Aktivierung eines weiteren etwa 300 Meter langen Grabens zur Folge sowie den Bau der nötigen Stellfallen zur Wasserverteilung.

Blänken sind flache Vertiefungen in Wiesen und Viehweiden, in denen ganzjährig oder zeitweise Wasser steht. Neben der Aach wurden auf beiden Seiten 17 Blänken angelegt. Sie sind eine Nachahmung von extensiv genutzten Senken in Flussauen, die in großem Umfang zerstört wurden.

Seit 2004: Seit 2004 beweiden sechs urtümliche Heckrinder die Wässerwiesen oberhalb Beurens. Heckrinder ähneln dem ausgerotteten Auerochsen, der Stammform unserer Hausrinder. Heckrinder wurden von den Gebrüdern Heck aus alten Haustierrassen gezüchtet. Sie sind sehr genügsam, pflegeleicht und wenig krankheitsanfällig. Darüber hinaus liefern sie ein hervorragendes Fleisch. Mit diesen Tieren wird ausprobiert, wie viele notwendig sind, um das nasse Grünland z.B. für Wat- und Wasservögel möglichst attraktiv zu machen.

 



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