Mit der Unterschrift von Ministerpräsident Oettinger am 2. April 2009 hat die Landesregierung die Menschen in Baden-Württemberg mit einem Prestigeprojekt von zweifelhaftem Nutzen belastet: "Stuttgart 21". Das Mammutprojekt eines unterirdischen Durchgangsbahnhofes für die Landeshauptstadt klingt nach Zukunftsvision und Aufbruchstimmung – macht aber nach Ansicht des BUND wirtschaftlich, verkehrspolitisch und ökologisch einen Riesenschritt rückwärts. Und trotz hektisch vereinbarter Unterzeichnung der Finanzierungsvereinbarung steht nach Ansicht des BUND noch lange nicht fest, ob das Milliardengrab tatsächlich gebaut wird - noch hat der Bundesrechnungshof ein Wörtchen mitzureden.
Die Landesregierung verknüpft das Projekt eines neuen Stuttgarter Tiefbahnhofes rhetorisch immer mit der geplanten Neubaustrecke nach Ulm und spricht euphorisch vom „Bahnprojekt Stuttgart-Ulm – Das neue Herz Europas“. Damit soll nun auch der Rest des Landes von der Sinnhaftigkeit eines neuen Stuttgarter Hauptbahnhofes überzeugt werden. Ob das gelungen ist, darf bezweifelt werden. Im ganzen Land und selbst in Stuttgart hält sich die Begeisterung in Grenzen: Nach aktuellen Umfragen lehnt fast die Hälfte der Menschen in Baden-Württemberg das Projekt ab. Und obwohl mit dem Kopfbahnhof eine bessere und vor allem wesentlich kostengünstigere Alternative auf dem Tisch liegt, halten das Land, die Bahn AG und die Stadt Stuttgart weiter stur an ihrem Vorhaben fest. Mit seiner Klage hatte der BUND versucht, das Milliardengrab Stuttgart 21 aufzuhalten.
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Das Konzept von Stuttgart 21
Der Stuttgarter Kopfbahnhof mit seinen heute 16 Gleisen soll um 90 Grad gedreht und durch einen unterirdischen Durchgangsbahnhof mit nur 8 Gleisen ersetzt werden. Um außerdem die Zu- und Abfahrtsstrecken im Stadtgebiet unter die Erde zu verlegen, sollen dutzende Kilometer Tunnel gebaut werden. Auf dem frei werdenden Bahngelände sind vor allem Bürobauten geplant, obwohl in der Landeshauptstadt schon genug davon leer stehen. Mindestens acht Jahre Bauzeit werden für Stuttgart 21 nötig sein.
Kosten und Kostenaufteilung
Kalkuliert war Stuttgart 21 mit 2,8 Milliarden Euro. Im Sommer 2008 mussten die Projektpartner einräumen, dass der neue Tunnelbahnhof mindestens 3,076 Milliarden Euro kosten wird. Davon wollen zahlen:
- Deutsche Bahn AG: ca. 1,3 Milliarden Euro
- Bund: 1,2 Milliarden Euro
- Land: 370,2 Millionen Euro
- Verband Region Stuttgart: 100 Millionen Euro
- Landeshauptstadt Stuttgart: 31.6 Millionen Euro
- Flughafen Stuttgart: 107,8 Millionen Euro und zusätzlich neben der Beteiligung an den Baukosten 112 Millionen Euro Zuschuss an die DB Netz AG zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit des Projekts
Eine nähere Aufschlüsselung der Finanzierungsanteile finden Sie hier. Aber bereits heute ist absehbar, dass das Projekt wesentlich teurer wird. Die Gefahr ist groß und von Fachleuten bestätigt, dass für das Stuttgarter Prestigeprojekt noch erheblich mehr Steuergelder aufgewendet werden müssen. Dies ist das Ergebnis eines Gutachtens, das der BUND und seine Partner beim renommierten Verkehrsplanungsbüro VIEREGG-RÖSSLER in Auftrag gegeben haben. Auch der Bundesrechnungshof bestätigt mittlerweile unsere Befürchungen.