Erarbeitet in der landesweiten BUND AG Umweltbildung und beschlossen vom BUND-Landesvorstand 2009:
Umweltbildung ist heute eine Notwendigkeit und eine Chance, angesichts der Klimakrise und der Bedrohung der ökologischen Vielfalt breiten Bevölkerungsschichten Orientierung und Handlungsmöglichkeiten zu geben.
Die Umweltbildung im BUND Baden-Württemberg verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz. Dabei soll mehrgleisig verfahren werden:
1. Umweltbildung soll selbstverständlich
- Wissen vermitteln,
- das Erkennen von Zusammenhängen ermöglichen
- und Rahmenbedingungen für überraschende, neue Erlebnisse setzen.
Denn was man wahrnimmt, versteht und schätzt, ist man eher bereit zu schützen.
Leider wurde in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts Wissen über Tiere und Pflanzen aus Biologiebüchern und Lehramtsstudium weitgehend zugunsten physiologischer Kenntnisse verbannt. Deshalb lernen Schüler nur noch ausnahmsweise heimische Baumarten, Frühblüher oder die häufigsten Vogelarten. Auch in der Lebenswirklichkeit vieler junger Menschen spielt heute die Naturerfahrung nur eine geringe Rolle.
Wissen bildet auch bei Umweltfragen eine wichtige Grundlage für Verstehen und Handeln.
Hierzu möchte der BUND Baden-Württemberg seinen Beitrag leisten.
2. Umweltbildung soll aber auch emotionale und kreative Seiten ansprechen. Dazu gehören Erlebnisse mit authentischen Naturerfahrungen und eine Betonung von Zugängen mit allen Sinnen. Der Neugierde und der Lust auf Entdeckung soll in besonderem Maße Raum geschaffen werden.
3. Lernen durch eigenes Tun soll helfen, Zusammenhänge zu erschließen.
4. Darüber hinaus soll Umweltbildung durch praktische Ansätze Handlungskompetenzen entwickeln. Sie soll helfen, liebgewonnenes Alltagsverhalten zu hinterfragen und zu ändern. Ökologisches, nachhaltiges Verhalten soll zu einem handlungsleitenden Interesse entwickelt werden.
5. Im Rahmen der UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung soll deutlich werden, dass eine internationale Solidarität zwischen den heutigen Generationen, aber auch erst recht eine Solidarität mit künftigen Generationen erforderlich ist.
Dies ist nur durch einen nachhaltigen Lebensstil zu erreichen, der durch einen deutlich niedrigeren Ressourcenverbrauch als heute in den Industrieländern üblich gekennzeichnet ist. Der BUND will hiermit auch ein Stück weit zur ´Rettung der Welt´ beitragen.
Mit der Umweltbildung möchte der BUND einen wichtigen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft leisten.
6. Auch künstlerische und ästhetische Elemente sowie Phasen der Stille sollen helfen, eine positive und bleibende Beziehung zu Natur und Umwelt zu schaffen.
7. Aus dem Bewusstsein der Verletzbarkeit von Natur und Umwelt heraus soll eine Grundhaltung der Achtsamkeit entwickelt werden.
8. Umweltbildung im BUND Baden-Württemberg soll dazu beitragen, die Natur auch als einen Ort der Ruhe zu entdecken. Natur kann zu einer Kraftquelle werden und der persönlichen Erbauung dienen.
9. Der BUND möchte Umweltbildung dazu nutzen, seine umweltpolitischen Ziele zu verdeutlichen und durchzusetzen.
Aus gestärktem Umweltbewusstsein und gestiegener Handlungskompetenz soll auch ein umweltpolitisches Engagement entwickelt werden. Ohne angemessene politische Rahmenbedingungen können Natur und Umwelt oft nicht geschützt werden.
10. Nicht zuletzt möchte sich der BUND als Umweltbildungsverband profilieren.
Wir wollen zeigen, was wir in der Umweltbildung zu bieten haben – sowohl für Menschen, die in unseren Aktionen und Projekten mitarbeiten und mitgestalten möchten, als auch für solche, die als unsere Partner, Kunden oder Teilnehmer mit dabei sein wollen.
11. Der BUND möchte mit diesem Leitfaden dazu beitragen, dass sich an vielen Orten neue lokale oder regionale Strukturen und Programme der Umweltbildung entwickeln, wie es sie unter Mitarbeit des BUND in einigen Städten bereits gibt.
Mit diesem Wortlaut beschlossen vom Landesvorstand am 16. Oktober 2009