Einziger europäischer Langstrecken-Specht

Wendehals; © Dietmar Nill/linnea images
Wendehals; © Dietmar Nill/linnea images

Der Wendehals (Jynx torquilla) ist der einzige europäische Vertreter der Gattung Jynx, zu der noch der in Afrika beheimatete Rotkehl-Wendehals (Jynx ruficollis) zählt. Die Bestände in Zentral- und Nordeuropa sind in den vergangenen Jahren stark dezimiert worden.

Aussehen

Sein Aussehen erinnert an eine kleine Drossel. Seine Körperlänge misst ca. 17 cm, er wiegt bis zu 50 g. Sein Gefieder ist graubraun ohne deutliche Feldkennzeichen. Seine kurzen Beine sind hellgrau wie sein Schnabel, der kurz und spitz zusammenläuft. Mit seinem langen, graubraunen Schwanz und den drei dunkelbraunen Querbinden fällt er auf. Schnabel und Beine können leicht grün schimmern. Auf der Unterseite trägt der Wendehals eine pfeilspitzförmige Zeichnung. Wenn er erregt ist, sträubt sich sein Kopfgefieder und formt eine undeutlich gebänderte Haube. Vom Oberkopf bis zum Rücken verläuft ein dunkelbraunes Band. Weibchen und Männchen unterscheiden sich kaum voneinander. Die Weibchen sind etwas matter gefärbt.

Stimme

Wendehälse singen nur während der Balz-, Brut- und Fütterungszeit auffällig. Ihr Gesang besteht aus "gäh"-Elementen, die in der Tonhöhe ansteigen, sie werden schnell aneinandergereiht und klingen zunächst nasal, später gellend. Auf einem Pfahl sitzend singen die Partner oft im Duett.

Systematik

Jynx torquilla torquilla
Jynx torquilla sarudnyi
Jynx torquilla tschusii
Jynx torquilla mauretanica
Jynx torquilla chinensis
Jynx torquilla himalayana
Jynx torquilla japonica

Brutgebiet

Das Brutgebiet der Nominatform umfasst ganz Europa – von Großbritannien bis zum Ural. Im Norden erreicht es den Polarkreis, im Südwesten Mittelspanien. Im Süden und Osten tritt die Nominatform gemeinsam mit den dort heimischen Unterarten auf.

Wanderungen

Der Wendehals ist der einzige Langstreckenzieher unter den euroäischen Spechten. Nur die Insel-Populationen sind zum Teil Standvögel oder Kurzstreckenzieher. Der Wegzug erfolgt ab Mitte August. Sie kehren nicht vor der zweiten Märzdekade nach Mitteleuropa zurück. Wendehälse ziehen vor allem nachts und meist einzeln. Die europäischen Arten überwintern südlich der Sahara.

Lebensraum

Wendehälse leben in offenen und halboffenen, klimatisch begünstigten, Landschaften mit einzelnen Bäumen. Sie meiden geschlossene Wälder, baumlose Steppen und Hochgebirge. Ideale Habitate sind Streuobstwiesen, Parklandschaften, große Gärten und Weinbaugebiete. Sie besiedeln auch lichte Birken-, Kiefer- und Lärchenwälder, selten sogar Auwälder. Das Angebot an bestimmten Ameisenarten und Brutmöglichkeiten in Specht- oder Baumhöhlen begrenzt ihr Vorkommen.

Nahrung

Der brütende Wendehals ist auf Rasen-, Wiesen- und Wegameisen angewiesen. Er meidet die Rote Waldameise. Auch Insekten wie Blattläuse, Schmetterlingsraupen, Käfer, Früchte oder Beeren stehen auf seinem Speiseplan. Wendehälse überfallen gelegentlich die Bruthöhlen anderer Höhlenbrüter. Aus noch ungeklärten Gründen sammelt der Wendehals glänzende Gegenstände wie Metallteile, Plastikmaterialien u.a. und füttert sie möglicherweise an seine Jungen.

Verhalten 

Der Langstrecken-Specht ist tagaktiv und zeigt sich oft am Eingang seiner Bruthöhle. Er zählt zu den mäßig schnellen Fliegern, klettert kaum und bewegt sich hüpfend über den Boden. Nur wenn er bedroht ist, dreht er seinen Kopf ruckartig – weshalb er seinen Namen trägt. Der Vogel ist nicht sehr scheu. Während der Brutzeit lebt er paarweise und territorial. Die Wendehälse führen eine Brutsaisonehe: Mit dem Flüggewerden der Jungen erlischt die Partnerbindung.

Fortpflanzung

Der Höhlenbrüter ist auf natürliche Baum- oder Spechthöhlen angewiesen. Oft okkupiert der Wendehals besetzte Bruthöhlen. Die Gelegegröße ist variabel, sie liegt meistens zwischen sechs und zehn, in Ausnahmefällen bei bis zu 14 mattweißen Eiern, die etwa 21 x 16 mm groß sind. Die Eier werden im Tagesabstand gelegt und zunächst nur vom Weibchen gewärmt. Nach Ablage der letzten Eier brüten beide Partner. Die Küken schlüpfen in geringem Zeitabstand. Die Nestlingszeit beträgt 20 Tage. Die flüggen Wendehälse werden maximal zwei Wochen von ihren Eltern geführt. Danach verlassen sie das Elternrevier.

Bestand

Aufgrund der ausgeräumten Landschaften, der Vernichtung von Streuobstwiesen und dem Verlust von Trockenrasengebieten gibt es gravierende Bestandseinbußen in Großbritannien, Skandinavien, Deutschland, Frankreich, Polen und Italien. In Osteuropa ist der Bestand stabil. Der Wendehals gehört in Deutschland zu den streng geschützten Arten nach Paragraf 10 Abs. 2 Nr. 11 BNatSchG.

 

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