Wo die Luft dünner wird - Streuobst für Hochlagen

Hochstämme wachsen zwar hoch hinaus, aber in Hochlagen findet man sie selten. Man trifft sie eher in klimatisch milden Gegenden an, in Flusstälern, den Hängen des Schönbuchs, am Albtrauf. Einzigartig ist deshalb die Versuchsanlage auf dem Wartenberg bei Geisingen.

Die 3,8 Hektar große Höhenobstversuchsanlage liegt auf 821 Metern Höhe. Sie wurde 1948/49 angelegt mit dem Ziel, geeignete Obstsorten für den Schwarzwald und die Baar zu testen.

Standort mit besonderen Anforderungen

Die Baar ist eine Hochebene zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb. Sie ist geprägt durch harte Winter mit langen Frostperioden. Bei Donaueschingen etwa befindet sich ein Kaltluftbecken, das zu den kältesten Flecken in Deutschland gehört. Hier kommt es im Durchschnitt bereits am 20. September zum ersten Nachtfrost - noch früher als im nahe gelegenen Schwarzwald. Obstsorten zu finden, die an diese Wetterbedingungen angepasst sind, war ein wichtiges Ziel der Versuchsanlage. Dort haben die Mitarbeiter zunächst viele alte, robuste und regionale Sorten gepflanzt. Außerdem testeten sie Sorten, die Vertriebene nach dem Krieg aus ihrer Heimat mitgebracht hatten.

Vor dem Vergessen gerettet

110 Apfel-, 28 Birnen-, 49 Pflaumen- und 17 Vogelkirschenhochstämme bildeten den Grundstock der Anlage, weitere 40 Apfel- und Birnenbäume wurden in den folgenden Jahren hinzugepflanzt. In den 1960er Jahren gewann der Anbau von Niederstämmen in Obstplantagen stark an Bedeutung. Der höhere Aufwand für die Pflege der Hochstämme erwies sich als unrentabel - viele traditionelle Obstsorten gerieten dadurch ins Hintertreffen. In der Folge wurde auch die Anlage auf dem Wartenberg nicht mehr intensiv bewirtschaftet.

Bevor die alten Sorten ganz in Vergessenheit geraten konnten, kam es in den 1980er Jahren zur Trendwende: Landwirte entdeckten die Hochstämme neu und pflanzten sie wieder an. Zum einen sollten die blühenden und Früchte tragenden Obstbäume weiterhin Ortsränder, Feldwege und Steilhänge prägen, zum anderen blieben sie ein wichtiger Bestandteil der Landschaftspflege.

Seit 1999 betreut der BUND Regionalverband Schwarzwald-Baar-Heuberg die Anlage. Unterstützt wird er durch die untere Naturschutzbehörde beim Landratsamt Tuttlingen. Die Gehölze werden weiterhin auf ihre Eignung für Höhenlagen beobachtet. Auch wird mit neuen Obsthochstämmen experimentiert, um das Sortenspektrum zu erweitern.

Die Streuobstwiesen werden von ortsansässigen Landwirten extensiv bewirtschaftet.

Harte Auslese: Nur die robustesten trotzen dem Klima

Die Sommer auf der Baar sind im allgemeinen kühler und kürzer als in anderen Landesteilen. Sogenannte Frühobstsorten reifen hier später. Für Garten und Wiesenbesitzer sind die Erkenntnisse aus der Versuchsanlage eine wichtige Orientierungshilfe bei der Suche nach den Sorten, die am besten mit dem rauen Klima zurecht kommen.

Interessant ist, dass vor allem alte, wenig anspruchsvolle Sorten dem Wind, Frost und den Krankheiten besser trotzen als anspruchsvollere Sorten. Letztere entwickeln sich nur kümmerlich. Was also auf dem Wartenberg gedeiht, eignet sich gut zur Vermehrung. Bei der Renaissance der Hochstämme für die Baar kam es Baumschulen zugute, dass sie auf dem Wartenberg für die Vermehrung robuster Hochstämme Edelreiser schneiden konnten.

Mittlerweile können Grundstückbesitzer wieder viele dieser alte Sorten pflanzen.

Wissensvermittlung

In regelmäßig stattfindenden Pflanz- und Schnittkursen gibt der BUND sein Wissen über die Pflege und den Erhalt der alten Sorten weiter. So können neue Streuobstwiesen entstehen und bestehende Obstbäume durch Pflegeschnitte erhalten werden.

Hier geht's zum Regionalverband Schwarzwald-Baar-Heuberg



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