Konstanz: Streuobstwiesen als Bürgerprojekt

Wie kann der Hochstamm-Obstanbau langfristig erhalten werden? Für den BUND Konstanz steht fest, dass diese im Bodenseeraum traditionelle Kulturform nur dann eine Zukunftsperspektive hat, wenn Streuobstwiesen auch wirtschaftlich genutzt werden, etwa durch Beweidung. Außerdem müssen Menschen, die in der Nähe leben, die Obstbestände ernten und die Bäume pflegen. Um dafür günstige Voraussetzungen zu schaffen, betreibt der BUND in Konstanz selbst einige Streuobstwiesen. Neben klassischen Pflegemaßnahmen, die Ehrenamtliche leisten, gibt es rund ums Streuobst viele Aktivitäten und Veranstaltungen. Sie sollen die Bevölkerung auf den Geschmack bringen, damit sie sich für "ihre" Streuobstwiese engagieren. 

Vier ehrenamtlich Aktive pflegen die ungefähr 120 Bäume an den verschiedenen Standorten. Die Anwohner werden mit eingebunden. So halfen bei den Pflanzaktionen auch die Bürger der jeweiligen Stadtteile. Im Frühjahr und Herbst werden Baumschnittkurse mit dem Hochstammexperten Konrad Hauser aus Singen angeboten, die vorher in der lokalen Presse angekündigt werden. Ziel ist es, den Menschen das Know-How der Baumpflege zu vermitteln, damit sie selbst die Obstbäume schneiden und pflegen können. 

Streuobstwiese Jungerhalde: Rinder rupfen, Bürger ernten

Auf der Jungerhalde pflanzten BUND-Aktive und Bürger 1997 in einer gemeinsamen Aktion über 60 Streuobstbäume, darunter viele alte Sorten. Seitdem hat der BUND als Pächter die Bäume im Rahmen der Landschaftspflegerichtlinie gepflegt. Die Wiesen mäht ein Landwirt, Stadt und Landkreis unterstützen die Pflegemaßnahme finanziell. So weit, so gut. Doch um den Bestand der Streuobstwiesen nachhaltig zu sichern – unabhängig von Zuschüssen und politischem Willen – muss eine wirtschaftliche Nutzung erfolgen. Davon sind die Konstanzer überzeugt.

Streuobstfachmann Konrad Hauser wusste eine Lösung: „Auf die Streuobstwies gehöret Viecher“, stellte er fest. Tatsächlich fand sich auch ein Landwirt, der seine Tiere auf der Wiese weiden lassen will. Bis die "Rindviecher" endlich auf die Weide konnten, war jedoch viel Arbeit nötig: Die jungen Bäume mussten durch Baumgatter geschützt werden. Die Baumgatter wiederum wurden mit Stacheldraht umgeben und die Bäume an die Gatter angebunden. Erst dann konnten die Rinder ungedüngtes Biogras frisch von der Weide rupfen. Mittlerweile tragen auch die jungen Obstbäume bestes Bio-Obst: Kirschen, Zwetschgen, Äpfel und Birnen. Die Wiesen sind Allmende, gemeinsam genutztes Gemeindeeigentum. Alle Allmannsdorfer und Staader Bürger dürfen also das Obst ernten und setzen sich im Gegenzug – so hofft der BUND – auch für Pflege und Erhalt ihres Eigentums ein.

Streuobstwiese im Hockgraben: Streuobsterlebnis im Wandel der Jahreszeiten

Ende der 90 Jahre pflanzte der BUND Konstanz auf einer Reihe von ungenutzten Wiesen Hochstamm-Bäume alter Obstsorten. Im Hockgraben, einem unter Natur- und Landschaftsschutz stehenden Landschaftspark, entstand ein Streuobstlehrpfad. Außerdem legten die BUNDler am Rand des Konstanzer Ortsteiles Allmansdorf zwei Streuobstwiesen an, die Jungerhalde und die Allmannsdorfer Höhe.

Der Landschaftspark Hockgraben ist ein grünes Band zwischen Stadt und Uni, das für Studierende und Einheimische nicht nur Verbindungsweg ist, sondern ein kleines Naherholungsgebiet. Hier können sie auf befestigten Wegen spazieren oder radeln, Sitzbänke laden zum Verweilen ein. Entlang dieser Spaziermeile hat der BUND einen Streuobstpfad angelegt. Infotafeln erzählen über die traditionelle Bewirtschaftung der Streuobstwiesen und ihre Bedeutung für das Ökosystem.

Das ganze Jahr über wird die Streuobstwiese im Hockgraben auch für Veranstaltungen des BUND-Arbeitskreises Kinder und Jugend genutzt. So erleben Klein und Groß hautnah die Streuobstwiese im Wechsel der Jahreszeiten.

Konstanzer Streuobst-Pädagogik: Mit den Kleinsten anfangen...

Viele Konstanzer Kindergärten haben in ihren Gärten Kirsch-, Apfel- oder Birnbäume. Meist sind diese Hochstämme schlecht gepflegt. Der BUND Konstanz knüpft hier an und besucht die Kindergärten. Die Kinder bekommen Geschichten über Bäume erzählt, machen Spiele und dürfen helfen, die Bäume zu schneiden. Im Herbst wird das Obst gesammelt und gemeinsam Saft gepresst. Eine Aktion, die Spaß macht, und Interesse und Verständnis für die großen, voll Leben steckenden Bäume weckt. 

... und bei den Großen gleich weitermachen

Alle zwei Jahre veranstaltet das Naturkunde-Museum Konstanz ein Streuobstwiesenfest im Hockgraben. Wegen der vielen Angebote für Familien mit Kindern sind diese Feste sehr beliebt. Zusätzlich bietet der BUND-Arbeitskreis Kinder & Jugend Nachmittage für Familien an, in denen die reichhaltige Flora und Fauna der Streuobstwiesen durch Märchen und Geschichten vermittelt wird. Im Herbst wird Apfelsaft gepresst.

Darüber hinaus arbeitet der BUND mit Grundschulen zusammen, die in der Nähe einer der Streuobstwiesen liegen. Die Lehrer wählen passend zum Lehrplan Schwerpunkte aus, die BUND-Aktiven vermitteln an einem Samstag Erstklässlern und ihren Familien Naturwissen vor Ort. Die Familien sollen die sie umgebenden Streuobstwiesen neu wahrnehmen und sich über die Veranstaltung hinaus dafür verantwortlich fühlen. 



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