Gefördert durch eine lokale Stiftung haben die Hegauer 2002 eine Streuobst-Börse ins Leben gerufen. Hier können sich Wiesenbesitzer, die ihre Bäume zur Bewirtschaftung freigeben wollen, mit potenziellen Pächtern austauschen. Beide füllen einen Fragebogen aus, in dem Lage und Größe einer Wiese vermerkt werden oder wie viele Wiesen ein Pächter gerne pflegen möchte. Gibt es genügend Anfragen, werden die Streuobstwiesen verteilt. Viele Besitzer können aufgrund ihres Alters die Wiesen nicht mehr selbst mähen, die Bäume schneiden und im Herbst das Obst lesen. Sie sind froh, wenn jemand die Pflege der Streuobstwiesen übernimmt. Im Gegenzug freuen sich junge Familien und motivierte Apfelernter über die Möglichkeit, den eigenen Apfelsaft zu genießen – aus selbst gelesenem und natürlich unbehandeltem Obst.
Durch Baugebiete und Straßenbau sind bereits Stücke des ehemaligen Streuobstgürtels in Gottmadingen und den umliegenden Orten verschwunden. Der BUND will den Gottmadingern das Kulturgut Streuobstwiese näher bringen. Denn die Wiesen sind Lebensraum für gefährdete Tierarten wie Steinkauz, Wiedehopf oder Wespe. „Mit unserer Streuobstbörse wollen wir Menschen dazu bringen, sich für die Pflege der Landschaft zu engagieren“, erklärt die ehrenamtliche Mitarbeiterin beim Naturschutzzentrum Jennifer Warschun. Auch soll ein größeres Verständnis für natürliche Zusammenhänge und traditionelle Bewirtschaftungsformen geschaffen werden. „Gerade für Kindern ist es doch auch spannend, zusammen Obst aufzulesen, in der Mosterei beim Pressen zuzusehen und hinterher den frischen Saft zu probieren. Wo sonst können Kinder noch so schön miterleben, wie unsere Lebensmittel hergestellt werden“, fragt Warschun.