BUND Daisbach: Mit neuen Ideen traditionellen Streuobstbau erhalten

Die hügelige Landschaft des Nördlichen Kraichgaus prägen Streuobstwiesen. Doch die für diese Gegend typische Kulturform droht verloren zu gehen, da die wirtschaftliche Bedeutung von Streuobst rückläufig ist. In Zeiten von Lemon-Bier und Alkopops sind Mosttrinker eine aussterbende Spezies – die Produktion für den Eigenbedarf spielt kaum noch eine Rolle. Birn- und Apfelbäume der Streuobstwiesen werden nicht mehr gepflegt – mit ihnen verschwindet ökologisch wertvoller Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen.

Die BUND-Aktiven der 1300 Einwohner zählenden Gemeinde Daisbach legten von Anfang an einen ihrer Schwerpunkte darauf, die traditionellen Wiesen zu erhalten durch Neuanlage, Schutz und Betreuung.

Streuobstwiesen statt Äcker

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Bereits 1988, vier Jahre nach Gründung, pachtete der Ortsverband ein Ackergrundstück im Streuobstgürtel und pflanzte dort 16 Hochstämme. Im folgenden Jahr kamen auf zwei weiteren Grundstücken noch einmal 28 Hochstämme dazu. 1993 vergrößerte der BUND seinen Streuobstbestand erneut um eine große Wiese mit 39 Nuss- und Obstbäumen.

Die Obstbäume der kleineren drei Grundstücke werden jährlich von zwei Mitgliedern gemäht, z. T. mit Hilfe einer kleinen Schafherde. Die größere Wiese wird kostenlos von einem Landwirt gemäht, der das Gras verfüttert.

Gemostet wird u. a. in der Kelterei des Nachbardorfs Neidenstein. Auf der Straßenkerwe wird der Streuobstsaft jährlich am BUND-Stand als Süßmost, Reiser oder Most verkauft.

 

Handys für Hochstämme

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Um den Bestand zu sichern, führt der Ortsverband regelmäßig Aktionen durch, bei denen er Obstbäume zu verbilligten Preisen abgibt. Das Defizit wird auch von Erlösen aus der Althandy-Sammelaktion finanziert. Die Käufer der subventionierten Bäumchen müssen sich im Gegenzug dazu verpflichten, die Obstbäume auf Grundstücken der Gemarkung anzupflanzen und zu pflegen. Auf diese Weise wurden schon 250 Hochstämme im Gemeindegebiet ersetzt bzw. kamen neu hinzu.

Damit die Bäume richtig gepflegt werden, hat der BUND schon mehrfach Obstbaum-Schnittkurse mit Fachleute der Beratungsstelle für Obst- und Gartenbau des Landratsamtes angeboten.

 

Höhepunkt im Streuobst-Jahr: Kraichgauer Mostprämierung

Zu seinem zehnjährigen Bestehen hatte der BUND Daisbach 1994 den Wettbewerb “Daisbacher Mostprämierung“ ins Leben gerufen. Diese Idee, Most wie Wein zu verkosten und zu prämieren, wurde beim 1. Kraichgauer Apfelfest übernommen und als „Kraichgauer Mostprämierung“ fortgeführt. Alle Kraichgauer Streuobstbesitzer können sich beteiligen. Die Verkostung ist seitdem Tradition und wird vom BUND jedes Jahr organisiert. 2008 schickten 16 Obsterzeuger 23 Mostsorten ins Rennen.

 

Versuch und Irrtum: Konzept für eine gemeindeeigene Streuobstwiese

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Wie funktioniert eine „Streuobstwiese für Jedermann?“ Die Gemeinde Daisbach hat 1993 – u. a. auf Initiative des BUND – auf einer Wiese 120 Apfel-, Birn- und Nussbäume gepflanzt. Die Bürger ernteten zwar fleißig, für die Baumpflege jedoch fühlte sich niemand zuständig, sie blieb weitgehend an den BUND-Aktiven hängen. Daraufhin wurden 2008 die Bäume numeriert, in Lose à 5 Exemplare eingeteilt und gegen Bezahlung oder Pflege zum Abernten angeboten. Das Konzept geht auf. Viele Lose fanden Abnehmer. Einige Interessenten pflegen „ihre“ Bäume selbst, die anderen bezahlen für diese Leistung – 10 Euro für 5 Bäume! Das Geld wird an die ehrenamtlichen „Baumschneider" des BUND Daisbach ausgeschüttet.

Singvögel sorgen für gesunde Bäume und die richtige Geräuschkulisse

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Zum Streuobst-Konzept des BUND Daisbach gehört es, Vogelnistkästen anzubringen. Singvögel sind wichtige Bewohner der Streuobstwiesen. Sie fressen Schädlinge und tragen so zum Schutz und zur Gesunderhaltung der Bäume bei. Daneben erfreuen sie die Erholungssuchenden durch ihren Gesang. Der Ortsverband organisiert immer wieder Sammelbestellungen und gibt Nistkästen verbilligt an private Eigentümer ab. Zahlreiche Nisthilfen werden jährlich vom BUND Daisbach im Herbst gereinigt, damit im darauf folgenden Frühling neue Bewohner einziehen können.

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