Erhaltungs- und Entwicklungsziele zur Sicherung von Lebensräumen

Landschaftspflege, Bild: BUND
Landschaftspflege hilft, Schutzgebiete zu erhalten und zu entwickeln

In den Richtlinien zu Natura 2000, die Baden-Württemberg mit verabschiedet hat, wird festgelegt, dass für die Natura 2000-Gebiete so genannte Managementpläne (MaP) – in Baden-Württemberg wurden sie bislang Pflege- und Entwicklungspläne (PEPL) genannt – zu erstellen sind. Sie beschreiben, welche schützenswerten Lebensräume und Arten wo und in welchem Umfang vorkommen. Außerdem sind konkrete Erhaltungs- und Entwicklungsziele zur Sicherung von Lebensräumen sowie Tier- und Pflanzenarten zu formulieren und dafür geeignete Maßnahmen festzulegen.

 

Erst nach jahrelangem Zögern wurde in Baden-Württemberg, im Gegensatz zu anderen Bundesländern, im Jahr 2005 mit der Vergabe der ersten acht Managementpläne begonnen. Weitere neun bzw. 16 PEPL wurden in 2006 bzw. 2007 in Angriff genommen. Die derzeitige Praxis der PEPL- bzw. MaP-Erstellung in Baden-Württemberg geht nach Auffassung des BUND viel zu langsam. Es wird noch Jahrzehnte dauern, bis für alle Natura 2000-Gebiete – 260 FFH-Gebiete und zusätzlich mehr als 80 Vogelschutzgebiete – ein Managementplan vorliegt. Viele wertvolle Schutzgebiete werden bis dahin zerstört oder stark beeinträchtigt, gefährdete Arten ihren Lebensraum verloren haben und damit verschwunden sein.

 

Die Vorgehensweise von Baden-Württemberg steht auch im krassen Gegensatz zu den Vorgaben der EU, die bis 2010 die Fertigstellung aller Managementpläne vorsehen. Baden-Württemberg müsste aufgrund der fortgeschrittenen Zeit von 2008-2010 pro Jahr finanzielle Mittel für jeweils ca. 80 Managementpläne bereitstellen, wollte man die Vorgaben der EU einhalten. Ein Kraftakt, den das Land nicht leisten kann. 

 

Weitere Informationen zum Thema und die bereits fertig gestellten Managementpläne gibt es bei der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg.

 

Bild: BUND
Landschaftspflege durch Beweidung.

BUND-Kritik

Nach Ansicht des BUND schreibt die EU vor, dass die Managementpläne gemäß einer festzulegenden Priorisierung der Natura 2000-Gebiete nacheinander zu erstellen sind. Zur Priorisierung zählen z.B. die starke akute Gefährdung von einzelnen Arten und Lebensräumen, die Anzahl der Anhang-II-Arten und Lebensräume des Anhang 1 der FFH-Richtlinie und die Kohärenz von Anhang-II-Arten. Baden-Württemberg geht bei der Auswahl der zu erstellenden Managementpläne allerdings nicht nach einer Prioritätensetzung und Dringlichkeit vor. Das Land geht vielmehr einen formalen Weg, um Geld zu sparen: Die Managementpläne werden zukünftig in denjenigen Natura 2000-Gebieten erstellt, in denen die Forsteinrichtungswerke erstellt werden – diese Einrichtung wird in einem Turnus von 10 Jahren erstellt! Dies bedeutet konkret, dass bedeutende und/oder gefährdete Natura 2000-Gebiete erst in einigen Jahren einen Managementplan bekommen können und weniger bedeutende und gefährdete Gebiete zuallererst einen Plan erhalten.

 

In Baden-Württemberg wurde bei den bisherigen Managementplänen auf eine intensive Öffentlichkeitsbeteiligung Wert gelegt, ganz im Sinne des BUND. Hierzu gehörten zwei öffentliche Auslegungen der Planunterlagen in verschiedenen Stadien der Erstellung, mindestens eine öffentliche Informationsveranstaltung sowie die Einberufung eines Beirates, in dem auch die Naturschutzverbände vertreten sind. Zukünftig soll nur noch eine öffentliche Auslegung erfolgen, um Geld und Zeit einsparen zu können. Die Beteiligung der Öffentlichkeit wird dadurch deutlich eingeschränkt.



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