Bewahrung des europäischen Naturerbes für kommende Generationen

Bild: BUND
Mindelsee, wertvolles Natura 2000-Gebiet

Der Zustand der natürlichen Lebensräume in den Mitgliedsstaaten der EU verschlechtert sich unaufhörlich. Wildlebende Tiere und Pflanzen sind in zunehmender Zahl ernstlich bedroht. Die bedrohten Lebensräume und Arten sind Teil des Naturerbes der Gemeinschaft, und die Bedrohung, der sie ausgesetzt sind, ist oft grenzüberschreitend. Daher sind zu ihrer Erhaltung und Entwicklung Ziele und Maßnahmen auf Gemeinschaftsebene erforderlich. 1992 wurde von der EU-Kommission deshalb die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) beschlossen. Der vollständige Text der FFH-Richtlinie ist abgedruckt im Amtsblatt Nr. L 206 des Rates der Europäischen Gemeinschaften.

Das vorrangige Ziel der FFH-Richtlinie – und auch der Vogelschutzrichtlinie – ist die Erhaltung und Wiederherstellung der in Europa vorhandenen biologischen Vielfalt. Durch den Aufbau eines europaweit vernetzten Schutzgebietssystems, dem Natura 2000-Netzwerk, soll dieses Ziel erreicht werden. Mittlerweile ist auch den verantwortlichen Politikern bewusst geworden, dass durch den Schutz einzelner, isolierter und kleiner Gebiete die biologische Vielfalt nicht dauerhaft erhalten und entwickelt werden kann. Viele Arten benötigen für ihr Überleben nicht nur einzelne intakte Lebensräume. Sie sind abhängig von einer Vielzahl intakter und durch Landschaftselemente wie z.B. Wälder, Waldränder, Fließgewässer und Hecken miteinander vernetzter Lebensräume.

Die zu schützenden natürlichen Lebensraumtypen und Tier- und Pflanzenarten von gemeinschaftlichem Interesse sind im Anhang I bzw. Anhang II der FFH-Richtlinie aufgelistet. Die Mitgliedsstaaten übernehmen eine besondere Verantwortung und müssen für deren Erhaltung besondere Schutzgebiete, die FFH-Gebiete, ausweisen. Umfassende Informationen zum Thema erhalten Sie beim Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU).

Juchtenkäfer; Bild: BUND
Juchtenkäfer, lebt in Laubwäldern, die Larven im Mulm alter Bäume, eine prioritäre Art der FFH-Richtlinie; Bild: Claus Wurst

Im Anhang I führt die EU insgesamt 231 Lebensraumtypen, im Anhang II 900 Tier- und Pflanzenarten auf. Davon kommen in Deutschland 91 Lebensraumtypen und 133 Arten vor (alle Zahlen: Stand März 2008). Alleine in Baden-Württemberg kommen 53 Lebensraumtypen und 60 Tier- und Pflanzenarten vor. Auf Grund ihrer besonderen Schutzwürdigkeit in der EU werden in der FFH-Richtlinie einige Lebensräume und Arten als „prioritär“ eingestuft; sie sind in den Anhängen I und II mit einem Sternchen (*) gekennzeichnet. In Baden-Württemberg gehören hierzu 13 Lebensraumtypen (z.B. Temporäre Karstseen, Kalk-Pionierrasen und Naturnahe Hochmoore), 1 Pflanzenart (Sand-Silberscharte) und 3 Tierarten (Juchtenkäfer, Alpenbock und Spanische Flagge).

Im Anhang IV der FFH-Richtlinie sind außerdem die streng zu schützenden Tier- und Pflanzenarten von gemeinschaftlichem Interesse aufgelistet. 75 Arten zählen in Baden-Württemberg hierzu. Für deren Erhaltung müssen keine besonderen Schutzgebiete ausgewiesen werden; sie genießen einen flächendeckenden Schutz. Insgesamt 70 Tier- und Pflanzenarten von gemeinschaftlichem Interesse sind im Anhang V für Baden-Württemberg aufgeführt. Ihre Entnahme aus der Natur und Nutzung unterliegen bestimmten Rechtsvorschriften. Alle in Baden-Württemberg vorkommenden 53 Lebensraumtypen und 166 Arten der Anhänge der FFH-Richtlinie sollen im Abstand von wenigen Jahren neu erfasst und überwacht werden ("Monitoring"). Alle sechs Jahre muss der EU über ihre Erhaltungszustände - Zustandsgruppen: günstig, unzureichend, schlecht - berichtet werden („Berichtspflicht“). Die Landesberichte der 16 Bundesländer werden zu einem nationalen Bericht zusammengefügt; der erste Bericht wurde Ende 2007 an die EU gesandt. Der zweite Berichtszeitraum erstreckt sich von 2007-2012, berichtet wird der EU spätestens Ende 2013.

BUND-Kritik

Alpenbock; Bild: BUND
Alpenbock, lebt in Buchenwäldern mit stehendem Totholz, eine prioritäre Art der FFH-Richtlinie; Bild: Claus Wurst

Werden Vorkommen von FFH-Arten des Anhangs II der FFH-Richtlinie neu entdeckt, z.B. im Rahmen von Planfeststellungsverfahren, werden diese vom Land Baden-Württemberg nicht mehr an die EU gemeldet. Es gibt derzeit auch keinerlei Bestrebungen, bei neuen Nachweisen von Anhang II-Arten neue FFH-Gebiete auszuweisen, die die FFH-Richtlinie zwingend vorsieht. Dies gilt auch bei stark gefährdeten Arten oder Vorkommen, die zu den größten im Lande zählen. Das Land vertritt die Meinung, dass die Meldungen durch die EU bestätigt wurden und die gemachten Meldungen damit ausreichend sind. Der BUND setzt sich dafür ein, dass neue Nachweise von Anhang II-Arten, insbesondere Vorkommen von regionaler und überregionaler Bedeutung, an die EU gemeldet werden und zu Ausweisungen neuer bzw. Ergänzungen bereits ausgewiesener FFH-Gebiete führen.



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