„Das europäische Haus braucht einen Garten"

Bild: BUND
BUND-Projektgebiet Mindelsee inmitten des großflächigen FFH-Gebietes "Bodanrück und westlicher Bodensee"

Unter diesem Motto entwickelten europäische Politiker, Parlamentarier und Naturschutz-Fachleute Ende der 1970er Jahre eine mutige Strategie für den Erhalt von Tieren, Pflanzen und deren Lebensräumen in Europa. Dies soll durch den Aufbau eines Netzes von natürlichen und naturnahen Lebensräumen verschiedener geografischer Regionen und von Vorkommen gefährdeter Tier- und Pflanzenarten erreicht werden. Dieses Schutzgebietssystem der Europäischen Union heißt "Natura 2000". Natura 2000 basiert auf der Vogelschutzrichtlinie (VRL) der Europäischen Union, der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (kurz FFH-Richtlinie, FFH-RL) und begleitenden Förderinstrumenten. Das Netzwerk umfasst somit die Schutzgebiete nach der FFH-Richtlinie und der EU-Vogelschutzrichtlinie. Die Richtlinien enthalten Listen von Tier- und Pflanzenarten sowie eine weitere Liste von Lebensräumen, die europaweit geschützt werden sollen. FFH-RL und VRL sind verbindlich umzusetzendes EU-Recht und vor dem Europäischen Gerichtshof einklagbar. Sie sind herausragende Meilensteine des europäischen Naturschutzes. Die Richtlinien stellen heute die zentralen Instrumente zur Bewahrung der biologischen Vielfalt innerhalb der Europäischen Union dar.

1979 wurde die EU-Vogelschutzrichtlinie erlassen. Sie hat den langfristigen Schutz und die Erhaltung aller wildlebenden Vogelarten und ihrer natürlichen Lebensräume in Europa zum Ziel. Die Vogelschutzrichtlinie war die Vorlage für die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, die 1992 von der EU-Kommission beschlossen wurde. Entscheidendes Motiv für die Zustimmung der EU-Mitgliedstaaten war das Bekenntnis, dass die Union europäischer Staaten weit mehr sein soll als ein „Verein zur Wirtschaftsförderung".

Reiherenten auf dem Mindelsee, Bild: BUND
Reiherenten bei der Herbstmauser auf dem Mindelsee bei Radolfzell am Bodensee

Mit der Ausweitung der EU gewinnen beide Richtlinien noch größere Bedeutung; das Natura 2000-Netzwerk wächst zum Wohl von seltenen und gefährdeten Lebensräumen und Arten. Das Besondere: Natura 2000 bedeutet eine am Ökosystem ausgerichtete Grundlage für die effektive Bewahrung eines Minimumbestandes an Lebensräumen und Arten. Eine derartige Grundlage gab es in den nationalstaatlichen Rechtssystemen der EU-Mitgliedsstaaten bislang nicht. Eine Übersicht über Internetseiten und Fachliteratur helfen Ihnen, intensiver in das Thema einzusteigen.

Sowohl VRL als auch FFH-RL setzen Ideen der Berner Konvention aus dem Jahre 1979 und die Vorgaben der internationalen Umweltkonferenz von Rio aus dem Jahre 1992 um. Natura 2000 entspricht auch den Zielsetzungen der Grundsätze einer nachhaltigen Entwicklung, wie sie vom Europäischen Rat im Jahre 2001 in Göteborg aufgestellt wurden.

Deutsche Ideen und Erfahrungen flossen mit ein, als die Strategie von Natura 2000 entwickelt wurde. Die unionsgeführte Regierung unter Helmut Kohl – und das damals von Ministerpräsident Teufel (CDU) geführte Baden-Württemberg – stimmten der FFH-Richtlinie Anfang der 1990er Jahre zu.

Der BUND-Landesverband Baden-Württemberg beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Thematik Natura 2000, FFH-RL und VRL. Natura 2000 ist die Jahrhundertchance für den Schutz und die Erhaltung von Pflanzen, Tieren und Lebensräumen in Europa. Diese Chance sollten wir uns nicht entgehen lassen. Deshalb wird sich der BUND auch weiterhin mit allem Nachdruck für den grenzüberschreitenden Naturschutz und Natura 2000 einsetzen, zum Wohl der Natur.



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