Nationalpark Schwarzwald

Der Schliffkopf im Nordschwarzwald. Bild: Hartmut Weinrebe
Der Schliffkopf im Nordschwarzwald. Bild: Hartmut Weinrebe

Seit 01.01.2014 gibt es auch in Baden-Württemberg endlich einen Nationalpark. Der BUND Baden-Württemberg hatte sich schon seit Jahrzehnten dafür eingesetzt. Der BUND erklärt, warum er im Nationalpark eine große Chance für die Natur, aber auch den Tourismus in der Region sieht.

Was bringt der Nationalpark der Natur?

Landesweit und auch im Schwarzwald gibt es viel zu wenig Bannwälder, wo der Wald sich selbst überlassen bleibt. Es ist nachgewiesen, dass in dauerhaft unbewirtschafteten Wäldern eine größere Artenvielfalt herrscht als in Wirtschaftswäldern. Der BUND fordert wie die Bundesregierung in ihrer „Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt“ 5 % Anteil Bannwälder an der Waldfläche und 10 % Anteil an der Staatswaldfläche, damit die Vielfalt der Pflanzen, Pilze und Tiere erhalten werden kann und seltene Arten nicht aussterben. Vom 5 %-Ziel ist Baden-Württemberg leider noch weit entfernt: Nicht einmal die Häfte davon ist derzeit als Waldrefugium, Bannwald oder als Kernzone eines Großschutzgebiets ausgewiesen.

Im Nationalpark sind derzeit rund 3.300 Hektar unter "Prozessschutz" gestellt bzw. als Kernzone ausgewiesen. In den nächsten Jahrzehnten soll die Kernzone auf 7.500 Hektar anwachsen.

Die Nationalpark-Kernzone hatte bereits vor der Nationalpark-Ausweisung rund 1.000 Hektar nutzungsfreien Wald, darunter die Bannwälder Altlochkar-Rotwasser, Wildseemoor und Wilder See. Auf diesen Flächen, die sich teilweise schon seit 100 Jahren frei entwickeln dürfen, kann man heute schon erleben, was einen künftigen Urwald ausmacht: Ruhe und Urtümlichkeit, ganz junge Bäume neben alten Baumriesen, auch tote Bäume, stehend oder umgestürzt. Für viele Tiere und Pflanzen ist das ein Eldorado. Auerhuhn, Dreizehenspecht, Sperlingskauz und viele andere seltene Vogelarten finden hier gute Lebensbedingungen. Dutzende Holzkäfer-, Spinnen-, Moos- und Pilzarten können nur hier und nicht im Wirtschaftswald existieren, weil dort das Alt- und Totholz fehlt. Im Gründungsjahr des Nationalparks wurde die Zitronengelbe Tramete im Bannwald Wilder See entdeckt, ein extrem seltener Pilz auf verrottendem Fichtenholz, der sonst vor allem noch im Nationalpark Bayerischer Wald vorkommt. Die Entdeckung zeigt zweierlei: Sehr anspruchsvolle und seltene Urwald-Arten brauchen mehrere Jahrzehnte des Prozessschutzes, um sich etablieren zu können. Und zweitens: Ein Nationalpark trägt bereits in seiner Gründungsphase mit seinen Schutz-, Forschungs- und Erfassungsvorhaben dazu bei, dass solche Arten entdeckt und geschützt werden.

Was bringt der Nationalpark für Erholung und Tourismus?

Nationalparke bieten spannende Naturerlebnisse, die so in anderen Gebieten nicht zu finden sind. Zu ihrer Infrastruktur, die sich im Schwarzwald im Aufbau befindet, zählen Informationszentren mit attraktiven Ausstellungen, besondere Naturerlebnisangebote und gut ausgestattete Wege für alle, die sich leise durch die Landschaft bewegen beim Wandern, Reiten, Fahrradfahren, Lang- oder Schneeschuhlaufen. Deshalb gibt es einen speziellen Nationalparktourismus: Gäste, die nur oder auch wegen des Nationalparks eine bestimmte Region besuchen. Dies lässt sich anhand der Besucherzahlen in Nationalparken belegen.

Was ist ein Entwicklungsnationalpark?

Im Entwicklungsnationalpark wird die Kernzone erst nach und nach ausgewiesen, um fichtendominierte Forste hin zu naturnäheren Waldbeständen mit mehr Buche und Tanne umbauen zu können. Die gefällten Fichten aus dem Nationalpark können in der Holzwirtschaft verwertet werden, so dass dort in den ersten Jahrzehnten keine Einbußen an Holzmengen zu befürchten sind. Die langfristigen Einbußen sind im Vergleich zur Gesamt-Holzerntemenge im Nordschwarzwald sehr gering. 

Besitzer von außerhalb des Nationalparks gelegenen Wäldern können beruhigt sein: Die Nationalparkverwaltung macht ein sehr intensives Borkenkäfer-Management in einer Pufferzone auf Nationalparkflächen. Ein Borkenkäfer-Befall über den im Wirtschaftswald üblichen Umfang hinaus kann damit ausgeschlossen werden – das zeigen auch die Erfahrungen mit anderen Nationalparken.

Eine besondere Herausforderung wird das Wildtiermanagement. Auch hier sollte der Prozessschutz-Gedanke den Ausschlag geben und die Jagd zumindest in den Kernzonen vollständig eingestellt werden. Dies werden die Rothirsche, aber auch Rehe und Wildschweine danken, indem sie sich tagsüber öfter zeigen und somit erst für Nationalparkbesucher und -besucherinnen erlebbar werden.

Übrigens...



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