Das Land Baden-Württemberg hat eine Nachhaltigkeitsstrategie auf den Weg gebracht, die aus Sicht des BUND im Wesentlichen aber nur aus einer Reihe einzelner Projekte ohne quantitative Vorgaben besteht. Dadurch sollen „abstrakte Strategiedebatten“ vermieden und stattdessen konkrete Maßnahmen und institutionelle Veränderungen auf Landesebene erreicht werden. Die anfänglichen 15 Start-Projekte, in denen Ministerien und gesellschaftliche Akteure eigenverantwortlich und lösungsorientiert zusammen arbeiten sollen, wurden nach und nach durch neue Projekte ergänzt.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Baden-Württemberg, beteiligt sich nicht an der Nachhaltigkeitsstrategie der Landesregierung. „Das Land versucht konzeptlos zusammengeklaubte Mini-Projekte, bei denen es sich zum Teil um bereits laufende Vorhaben handelt, werbewirksam als Zukunftsstrategie zu verkaufen“, erklärte die BUND-Landesvorsitzende, Dr. Brigitte Dahlbender, am 3. März 2007: „Damit soll vertuscht werden, dass die Landesregierung nicht nur untätig, sondern auch unfähig ist, mutige Entscheidungen zum Beispiel für den Schutz des Klimas und der Biodiversität zu treffen. Der BUND wird bei der Degradierung der Nachhaltigkeit zum Werbeslogan nicht mitmachen.“
Zahlreiche Verbände sollen den Nachhaltigkeitsprozess des Landes unterstützen. „Doch die Landesregierung hat nicht gesagt, wohin die Reise gehen soll. Sie hat keine Ziele vorgegeben und es ist nicht zu sehen, welchen Beitrag Baden-Württemberg am Nachhaltigkeitsprozess leisten wird. Statt die Stellschrauben bei den Themen Klimaschutz, Flächenverbrauch und Biodiversität im Sinne der Nachhaltigkeit zu drehen und bestehende Umwelt- und Klimaschutzprogramme des Landes wirkungsvoll einzubinden, sollen nun kleinteilige Projekte darüber hinwegtäuschen, dass die Landesregierung sich bei wichtigen Entscheidungen drückt.“
Der BUND kritisiert außerdem, dass viele der kleinteiligen Nachhaltigkeitsprojekte, die das Land heute öffentlich vorgestellt hat, bereits seit Jahren bestehen: das Projekt des Kultusministerium „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ist lediglich eine überarbeitete Fassung des bestehenden Aktionsprogramms. Der „Runde Tisch für Radverkehr“ existiert bereits seit langem im Innenministerium. Das Projekt „Unsere Bäche und Flüsse – die Lebensadern Baden-Württembergs“ entspricht dem bestehenden Projekt zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie – einer Pflichtaufgabe des Landes. Die Projekte „Hochwertige Lebensmittel aus heimischer Produktion“ und „Gesunde Ernährung“ stellen dort, wo sie überhaupt konkret werden, Fortsetzungen der bisherigen Projekte zur Kinderernährung (besteht seit 1980) bzw. „Blickpunkt Ernährung“ (besteht seit 2001) dar. Dahlbender: „Der BUND arbeitet in vielen Bereichen konstruktiv mit den Ministerien, Landkreisen und Kommunen zusammen, zum Beispiel bei Projekten zu Regionalstrom, Bürgerkraftwerken, zum Solarstrompark und zu Flussrenaturierungen. Aber angesichts der drohenden Klimakatastrophe und der Gefährdung der Biodiversität werden wir die Nachhaltigkeitsstrategie des Landes nicht unterstützen. Sie ist ganz offensichtlich nur ein Täuschungsmanöver.“