Glyphosat ist der weltweit am meisten eingesetzte Pestizidwirkstoff. Er wird in verschiedenen Varianten als Mittel zur Bekämpfung von Gräsern und Kräutern vertrieben, am bekanntesten ist der Handelsname Roundup.
Dieses Herbizid wurde zunächst von den Zulassungsbehörden als relativ unproblematisch betrachtet. Es galt als rasch abbaubar, wenig grundwasserschädlich und toxikologisch günstig. Neuere Studien zeigen, dass keine dieser günstigen Eigenschaften haltbar ist: Glyphosat wird mit zunehmender Häufigkeit in verschiedenen Ländern im Grundwasser nachgewiesen. Sowohl die Ergebnisse toxikologischer und embryologischer Laborstudien als auch epidemiologische Untersuchungen zu Missbildungen und Krebserkrankungen zeigen unter anderem krebserregende, erbgutschädigende und fruchtbarkeitsmindernde Wirkungen von reinem Glyphosat und von glyphosathaltigen Herbiziden auf.
Erst in jüngster Zeit wurde bekannt, dass Glyphosat zu erhöhter Krankheitsanfälligkeit von Kulturpflanzen, zu verstärktem Auftreten von Pilzkrankheiten und zu verminderter Nährstoffaufnahme führen kann.
Die Ausbreitung von Glyphosat steht in engem Zusammenhang mit dem Anbau genveränderter Pflanzen: Mehr als drei Viertel der weltweit angebauten genveränderten Pflanzen sind herbizidresistent, die meisten davon gegen Glyphosat. Beim Einsatz dieses Mittels werden dann alle anderen Pflanzen auf dem Feld vernichtet, nur die herbizidresistente Kulturpflanze überlebt. Der Anbau herbizidresistenter Pflanzen ist nur zusammen mit dem entsprechenden Herbizid wirtschaftlich sinnvoll.
Glyphosat wird aber nicht nur auf den Sojasteppen in Nord- und Südamerika eingesetzt. In Deutschland sind zahlreiche glyphosathaltige Herbizide sogar für den Einsatz in Haus- und Kleingärten zugelassen.
Nach EU-Recht hätte die Zulassung von Glyphosat im kommenden Jahr überprüft werden müssen. Die EU-Kommission verlängerte die Zulassung mit Zustimmung von Deutschland bis 2015. Deutschland hat dabei als Berichterstatter innerhalb der EU eine besondere Verantwortung. Der BUND fordert mit anderen Umweltverbänden eine umfassende Neubewertung von Glyphosat und glyphosathaltigen Herbiziden unter Berücksichtigung der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse und eine Aufhebung der Wirkstoffzulassung für Glyphosat, bis die Überprüfung vorliegt.
Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hat am 30.11.2011 einen Antrag gestellt, der die Forderung nach umfassender und kritischer Neubewertung von Glyphosat und nach Aufhebung der Zulassung enthält. Außerdem wird darin ein Verbot glyphosathaltiger Mittel im Haus- und Kleingartenbereich, eine dem Verursacherprinzip und der Herstellerverantwortung entsprechende Pestizidabgabe und ein Einsatz gegen die Neuzulassung herbizidresistenter genmanipulierter Pflanzen auf EU-Ebene gefordert.
Was tun?
- Fordern Sie Ihren Bundestagsabgeordneten auf, sich für die Aufhebung der Zulassung von Glyphosat bis zum Vorliegen einer kritsichen Neubewertung einzusetzen.
- Falls Sie Ihren Garten nicht ohnehin schon giftfrei bewirtschaften: Verzichten Sie auf jeden Fall auf Mittel, die Glyphosat enthalten.