Bekassinen – Wintergäste auf der Wiese

Naturschutzgebiet Mindelsee, Bild: BUND

Seit Ende Oktober sind sie wieder da: Die Bekassinen im Naturschutzgebiet Mindelsee. Und in vielen anderen Wiesengebieten an Bodensee, Rhein, Donau und Neckar. Feuchte Vertiefungen in den Wiesen mögen die seltenen Schnepfenvögel besonders, denn hier können sie mit ihren langen Schnäbeln im Boden nach Nahrung stochern. Dieses Sondieren geschieht "blind", denn Würmer und Insektenlarven im Boden ertasten sie mit ihrer Schnabelspitze, rütteln sie im Schnabel nach oben und verschlucken sie, ohne den Schnabel aus dem Boden zu ziehen. Wenn viel Nahrung im Boden ist, können sie bis zu hundertmal von einer Stelle aus in den Boden stechen. Gefriert der Boden, stellen sie ihre Ernährung auf Samen von Seggen und Binsen um. Auf diese Weise überbrücken sie kurze Frostperioden.

Bekassine, Bild: BUND

In kaum einem anderen Bereich ist die Natur so erfinderisch wie bei Verhaltensweisen während der Fortpflanzung. Bekassinen haben sich dazu etwas ganz Besonderes "ausgedacht". Denn während die meisten Vögel mit ihrem unteren Kehlkopf - der Syrinx - singen, tun dies Bekassinen mit ihren äußeren besonders versteiften Schwanzfedern. Dazu flattern sie stumm nach oben und gleiten dann mit abgespreizten äußeren Schwanzfedern abwärts, wobei diese Federn in Schwingungen geraten. Das verursacht ein meckerndes Geräusch. So entstand der Name Himmelsziege, wie die Bekassine auch genannt wird. Mit dem Meckern markiert das Männchen sein Revier und bringt seine Partnerin in Liebesstimmung.

Bei der Bekassine brütet nur das Weibchen. Am Ende der 19tägigen Brütezeit sitzen sie so fest, dass man sie mit der Hand berühren kann. Schon am Tag, an dem die Jungen schlüpfen, verlassen sie das Nest. Sie wiegen dann gerade 10 Gramm, sind also ein Zehntel so schwer wie ihre Eltern. Am ersten Lebenstag halten die Eltern ihren Jungen Nahrung vor den Schnabel oder legen sie vor den Küken ab. Am zweiten Lebenstag beginnen die Küken mit ihren Schnäbelchen im Boden nach Nahrung zu sondieren. Im Alter von einer Woche stochern sie bereits zwei Zentimeter tief in den feuchten Boden. Bei Gefahr transportieren die Eltern ihre Jungen durch die Luft. Dabei presst der Altvogel sein Kind mit Schnabel und Beinen gegen seine Unterseite. Mit vier bis fünf Wochen können die Jungen selbst fliegen.

Die Bekassine ist in Baden-Württemberg eine hoch bedrohte Art. Viele Brutbestände sind erloschen. Über die Gründe gibt es nur Vermutungen: Veränderung der ehemaligen Brutplätze, Zunahme der Nester ausräumenden Füchse und Klimaerwärmung. Da Baden-Württemberg am Südrand der Verbreitung der Bekassine liegt, spielt die Klimaerwärmung vermutlich eine entscheidende Rolle für ihren Rückgang bei uns.

Gerhard Thielcke



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