Drastische Reduktion

Gewerbegebiet, Bild: BUND
Gewerbegebiete wie das Factory Outlet in Wertheim erhöhen den Flächenverbrauch. Bild: BUND

Eine drastische Reduktion des Flächenverbrauchs ist notwendig und möglich. Denn unser Flächenbedarf lässt sich im Wesentlichen aus dem vorhandenen Bestand zu realisieren. Eine grundsätzliche Umsteuerung im Flächenverbrauch kann aber nur dann erfolgen, wenn die Rahmenbedingungen auf Bundesebene geändert werden. Die baden-württembergische Landesregierung kann vor allem richtungsweisende, bündelnde und lenkende Maßnahmen ergreifen.

Die Bundesländer gestalten die Wohnungsbauförderung. Sie können die Fördermittel ausschließlich auf den Mietwohnungsbau umlenken. Zugleich sollten die Fördergelder an flächensparende und bodenschonende Kriterien gebunden werden. Diesen Kriterien entsprechen zum Beispiel Bauten im Innenbereich der Kommunen. Sie vermeiden den weiteren Flächenverbrauch im Außenbereich durch das Recycling gewerblicher Brachflächen, die Konversion von Militärflächen, die Schließung von Baulücken und durch sozialverträgliche Nachverdichtung.

Ein weiterer Schritt zur Reduktion des Flächenverbrauchs in Baden-Württemberg ist die Stärkung der regionalen Planungsverbände bei der Steuerung des Flächenverbrauchs der jeweiligen Kommunen. Der BUND schlägt deshalb vor, im ganzen Land regionale Gebietskörperschaften mit einem direkt gewählten Parlament nach dem Vorbild des Regionalverbands Stuttgart zu bilden. Der BUND sieht darin die Möglichkeit, die Flächeninanspruchnahme unter Berücksichtigung der kommunalen Belange zu steuern.

Interkommunale Gewerbegebiete sind keine geeigneten Modelle, den Flächenverbrauch zu reduzieren. Wie sich zeigt, versuchen die beteiligten Kommunen jeweils zusätzlich ihre eigenen Gewerbegebiete zu füllen. Sie treten somit ständig in Konkurrenz zu den übergeordneten Planungszielen. Ein Beispiel ist das interkommunale Gewerbegebiet "Gewerbepark Breisgau". Er wurde 1997 auf dem Gelände eines ehemaligen Natoflugplatzes ausgewiesen. Beteiligt sind vier Gemeinden, die Stadt Freiburg und der Landkreis Freiburg. Seitdem siedeln die beteiligten die Gemeinden trotzdem überwiegend auf eigenen Flächen Gewerbebetriebe an. Flächen für die erneut Boden in Anspruch genommen werden muss, für die eine neue Infrastruktur mit Verkehrswegen, Beleuchtung Wasserversorgung und Abwasserentsorgung geschaffen werden muss. Während im gemeinsamen interkommunalen Gewerbegebiet, das bereits aufgrund der Vornutzung in wesentlichen Teilen erschlossen ist, gähnende Leere herrscht.

Und noch einen weiteren Schritt zum sinnvollen Umgang mit der Fläche kann das Land tun: die Ausweisung von Gebieten, die für jegliche Entwicklung tabu sind und die Festlegung der maximalen Ausdehnung der überhaupt noch überbaubaren Flächen muss verbindlich in den Regionalplänen festgeschrieben werden.

Die Darstellung zeigt, dass es wichtig ist, über neue Finanzierungsmodelle für Kommunen nachzudenken. Damit für die Kommunen nicht der Wachstumszwang und der Konkurrenzkampf um Gewerbegebiete und einkommensstarke Bevölkerungsgruppen im Vordergrund steht, sondern die sinnvoller Weiterentwicklung der Region im Sinne der Nachhaltigkeit.

Dr. Brigitte Dahlbender



  • Jetzt spenden, Bilder: ger.hardt/pixelio.de, Thomas Stephan, Walter Schön
  • Jetzt BUND-Mitglied werden; Bilder: detailblick/fotolia, Benicce/fotolia, Monkey Buissnes Images/shutterstock, Mr. Nico/photocase.de
  • Newsletter bestellen, Bild: fult/photocase.de
Suche