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Neue Lebensformen und Siedlungsstrategien

Park, Bild: Pixelio.de

Wir brauchen eine neue Siedlungsform in unseren Kommunen und eine neue Strategie des Umgangs mit unseren Flächen. Seit den 1950er Jahren ist unsere Stadtentwicklung geprägt von der Entmischung der Funktionen Wohnen, Freizeit und Arbeiten. Durch diese Trennung müssen ständig neue Verkehrswege gebaut werden, an denen sich die Siedlungen weit ins Umland hinein fortentwickelten. Gleichzeitig werden die Grün- und Freiflächen als Lebensräume innerhalb der Gemeinden vernachlässigt. Die Stadt- und Kommunalplanung orientierte sich am Auto, die autogerechte Stadt entstand. Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass vor allem Familien mit Kindern ins "Grüne", in die Speckgürtel der Städte ziehen, was eine ausufernde Siedlungsentwicklung und weiteren Straßenbau zur Folge hat. Es ist an der Zeit gegenzusteuern und systematisch eine flächensparende Siedlungsentwicklung umzusetzen.

Zu Beginn steht die Entwicklung eines kommunalen Flächenmanagements. Ob Großstadt oder ländliche Gemeinde, die Kommunen müssen eine Strategie entwickeln, wie sie den Flächenverbrauch reduzieren und den Boden wegen seiner vielfältigen Funktionen schützen. Dies lässt sich nur dann sinnvoll verwirklichen, wenn eine Kommune die Grenzen der Siedlungsausdehnung und der Belastbarkeit des Bodens festlegt. Dies setzt wiederum eine umfassende Flächeninventur in den Kommunen voraus.

Die Kommunen bedürfen dann eines Handlungskonzepts mit folgenden Elementen: die Überprüfung der Bedarfsanalyse in den Flächennutzungsplänen, die Festsetzung von Mindestdichten für Wohn- und Gewerbegebiete sowie die konsequente Ausnutzung der Potenziale zur Innenentwicklung wie beispielsweise die Wiedernutzung von Brachflächen und Altlasten und/oder eine intelligente Erschließung von Baulücken.

Dies gilt nicht nur für (Groß-)Städte in Verdichtungsräumen, sondern auch für kleine Gemeinden im ländlichen Raum. In zunehmendem Maße veröden alte Dorfzentren, weil Hofstellen frei werden, während in den Streuobstwiesen und auf wertvollen landwirtschaftlichen Böden großzügige Neubaugebiete entstehen. Durch eine an die örtliche Tradition und Dorfstruktur angepasste Bauweise können die alten Dorfkerne saniert und wiederbelebt werden, weiterer Flächenverlust wird so vermieden.

Die vielfältigen Möglichkeiten und in zahlreichen Modellprojekten erprobten Maßnahmen zur Verringerung des Flächenverbrauchs auf kommunaler Ebene konnten nur angerissen werden. Eines wird jedoch deutlich: Nur im Zusammenwirken von geänderten Rahmenbedingungen auf Bundesebene, einer strikt an der Entwicklung des Innenbereiches orientierten Förder- und Lenkungspolitik auf Landesebene sowie einer grundsätzlich anderen Ausrichtung der kommunalen Siedlungsentwicklung wird flächendeckend zu einem geringeren Flächenverbrauch führen.

Dr. Brigitte Dahlbender



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