Flächenpolitik in Baden-Württemberg

Baden-Württemberg gehört zu den am dichtesten besiedelten Bundesländern. Neben der industrialisierten Landwirtschaft sind der Flächenverbrauch durch Siedlungsentwicklung und die Zerschneidungseffekte durch Verkehrswege für den Rückgang an Lebensräumen und die Gefährdung vieler Tier- und Pflanzenarten verantwortlich. Hinzu kommt die Beeinträchtigung der Lebensräume und des Bodens durch Lärm und Schadstoffe. Die Ursachen und die Lösungsmöglichkeiten für einen Stopp des Flächenverbrauchs sind vielfältig und komplex. Deshalb wurden im BUNDmagazin zu diesem Thema kritische Beiträge veröffentlicht.

 

Luftaufnahme Besiedelung, Bild: BUND

Der BUND fordert seit vielen Jahren einen sparsamen Umgang mit unserer Ressource Boden und macht Politik dafür, dass der Netto-Flächenverbrauch in den nächsten Jahren gegen Null geführt wird. Dies ist machbar! Und zwar in der Verbindung mit dem berechtigten Anspruch der Menschen auf ausreichend Wohnraum mit hoher Lebensqualität.

Aber der Flächenverbrauch in Baden-Württemberg geht unvermindert weiter.Täglich werden 7 Hektar Boden vernichtet und versiegelt, jährlich entspricht dies der Größe von etwa 2500 Fußballfeldern. Eine Ursache liegt in der Eigenheim-Politik unserer Landesregierung. In den letzten Jahren wurde der Bau von Eigenheimen, so stark und einseitig gefördert, dass die großen Städte, vor allem die Universitätsstädte über Wohnraummangel bei preiswertem Mietwohnungsbau in den Innenbereichen der Städte klagen.

Gewerbepark Sternenfels, Bild: BUND
Flächenrecycling als Alternativen zum Flächenverbrauch im Gewerbepark Sternenfels bei Karlsruhe.

Das Umweltbundesamt hat nachgewiesen, dass durch baureife Brachflächen in den Städten und Gemeinden ca. 50 Prozent des mittelfristigen Wohnraumbedarfs gedeckt werden können. Baureife Wiedernutzungsflächen sind ebenfalls so ausreichend vorhanden, dass der gesamte mittelfristige Bedarf an Gewerbeflächen bedient werden kann. Hinzu kommen noch die Potentiale im Bereich Nachverdichtung, Geschosserhöhung und die noch lange nicht ausgeschöpften Möglichkeiten der Altbausanierung und der Sicherung des Wohnungsbestandes im Innenbereich der Kommunen.

Wir brauchen keine fortgesetzte Versiegelung und Lebensraumzerstörung, um unser Bedürfnis nach Wohnraum und Arbeitsplätzen zu realisieren. Was wir stattdessen brauchen, ist eine veränderte Wohnraum- und Gewerbeansiedlungspolitik, die kreativ und umsetzungsorientiert die Möglichkeiten im Bestand der Kommunen realisiert und die Bevölkerungsentwicklung berücksichtigt.

Flächenverbrauch macht auch vor Erholungsräumen nicht halt: Im Jahr 2001 musste sich der BUND gegen Pläne der Landesregierung wehren, das Bodensee-Ufer offiziell zum "Verdichtungsraum" zu erklären. Ein Anstieg der Bau-Begehrlichkeit wäre zweifellos die Folge.

Dr. Brigitte Dahlbender



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