Was wäre die Alb ohne ihre prächtigen Wetter- oder Weidebuchen?. Sie trotzen allen Widrigkeiten und verkörpern typische Eigenschaften der „Älbler“: Urwüchsigkeit, Durchsetzungsfähigkeit, Zähigkeit, Wetterhärte, Beständigkeit, Würde. Bis zu 250 Jahre sind die bizarren Weidebäume alt. Mit imposanten Stammumfängen und Kronendurchmessern gehören sie zu den auffälligsten Erscheinungen der Hardtlandschaft..
Typische Wuchsformen von Weidebuchen sind das Ergebnis des Fressverhaltens von Großvieh über lange Zeiträume hinweg. Regelmäßigem Verbiss waren Jungbuchen ausgesetzt, als Hirten ihr Vieh noch in die Wälder trieben. Für die besonderen Formen waren vor allem Kühe verantwortlich. Diese gingen relativ schonend mit dem Jungwuchs um, weil sie im Oberkiefer keine Schneidwerkzeuge haben. Sie rupfen, reißen oder quetschen Blattwerk ab, indem sie es mit der Zunge in das Maul drehen und gegen die Kaudecke des Oberkiefers drücken. Da die Tiere von allen Seiten dem Buchenbusch zusetzen muss er sich notgedrungen eine Überlebensstrategie einfallen lassen. Er verzweigt sich stark, wird immer breiter und kugeliger. Erst wenn dieser Struwwelpeter nach einige Jahrzehnten an Umfang zugenommen hat, reicht der Hals der Weidetiere nicht mehr zu allen in die Höhe treibenden, schlanken Spitzen. Diese wagen den Vorstoß gemeinsam, schicken mehrere Triebe in die Schlacht, in der Hoffnung, dass es wenigstens einem gelingt, aus der Mitte des Verbisskegels auszubrechen. Während der obere Teil des Weidebusches allmählich dem Verbiss entrinnt, wird er unten weiterhin von allen Seiten her getrimmt. Einbuchtungen, so genannte Fraßkehlen, entstehen. Buchenstämmchen mit einem Durchmesser von etwa fünf Zentimetern können 50 Jahresringe aufweisen, haben Forscher herausgefunden.
Text in Auszügen entnommen aus dem Buch "Naturerbe Truppenübungsplatz". Autor ist Günter Künkele, BUND-Mitglied und Träger der Gerhard-Thielcke-Medaille , der diese Gegend der Alb wie kaum ein zweiter kennt.