Am 26. April 1986 hat eine Explosion in Block 4 des AKW Tschernobyl in der Sowjetunion die Reaktorschutzhülle zerstört. Eine radioaktive Wolke breitete sich über ganz Europa aus. Nach Angaben des Umweltinstituts München wurde um den Reaktor herum eine Fläche von rund 40.000 km² in kurzer Zeit so stark radioaktiv verseucht, dass sie auf Jahrzehnte hin unbewohnbar und landwirtschaftlich unbenutzbar bleibt.
Von den für Sicherungs- und Aufräumarbeiten eingesetzten 800 000 Hilfskräften sind nach Angaben der International Physicians for the Prevention of Nuclear War (IPPNW) bis heute rund 50.000 Menschen an den Strahlenfolgen gestorben. Allein für die nahegelegene weißrussische Region Gomel berechnete die Weltgesundheitsorganisation rund 100.000 Schilddrüsenkrebsfälle in den Folgejahren. Doch die Gesundheitsfolgen beschränken sich nicht auf Osteuropa. Besonders in Süddeutschland trat durch die Aufnahme von radioaktivem Jod gehäuft Schilddrüsenkrebs auf.
Auch 26 Jahre nach der Reaktorkatastrophe geht von dem havarierten Reaktor eine ernsthafte Gefahr aus. Die Strahlungswerte am AKW-Standort und in der „Verbotenen Zone“ sind nach wie vor hoch. Der Sarkophag, mit dem der Reaktor und die hochradioaktiven Stoffe abgedeckt wurden, ist marode. Ein technisches Konzept, wie mit der gefährlichen Hinterlassenschaft umgegangen werden soll, fehlt. Eine Bergung der hochradioaktiven Stoffe ist aus Kostengründen nicht vorgesehen. Stattdessen soll eine neue Schutzhülle errichtet werden, was letztlich zu einer Verlagerung des Problems auf kommende Generationen führen würde. Zudem ist fraglich, ob es damit gelingen kann, die enthaltenen radioaktiven Stoffe tatsächlich hermetisch abzuriegeln. Wie diese neue Schutzhülle finanziert werden soll, ist ein offener Streitpunkt. Die Kosten der bisherigen Sicherungsmaßnahmen haben sich im Vergleich zu den Planungen bereits verdreifacht. Eine Lösung der Situation ist nicht in Sicht.
Obwohl die deutschen Atomkraftwerke als sicherer gelten, ist die Hochrisikotechnologie Kernkraft auch bei uns nicht beherrschbar. Der BUND Baden-Württemberg hat aktuell zwei Flyer zu den baden-württembergischen Atomkraftwerken Neckarwestheim und Philippsburg erstellt. Die Flyer bieten eine gute Übersicht über Risiken, Störfälle und Sicherheitsprobleme in den beiden Kraftwerken.