In ihrem Raupenleben müssen die Tiere tüchtig fressen und ihre Kraft sammeln für die lange Puppenruhe und das kurze Falterdasein. Sind die Raupen ausgewachsen, spinnen sie sich in einen stabilen birnenförmigen Kokon ein, um sich darin zu verpuppen. Die Öffnung des Kokons ist mit Reusenhaaren dich versponnen, durch die sich nur der Falter von innen hindurchzwängen kann. So bleibt die Puppe im Kokon den ganzen Winter über vor Eindringlingen geschützt. Schon als Puppe sind die Geschlechter gut zu unterscheiden: die Antennenfühler der Männchen sitzen in deutlich breiteren Fühlerscheiden. Die Flugzeit der Männchen beginnt im Frühjahr etwa zur Zeit der Schlehenblüte, kurz danach schlüpfen die deutlich größeren und plumperen Weibchen und verströmen ihren betörenden Duft. Auffälligstes Merkmal aller Vertreter der großen Familie der Pfauenspinner sind die schönen Augenflecke auf den Flügeloberseiten. In dieser Verwandtschaft finden sich mit dem asiatischen Herkulesspinner und dem Atlasspinner die größten Schmetterlinge der Welt, die Kokons vieler Arten werden in Ostasien zur Seidengewinnung genutzt. Der große Vetter des Kleinen Nachtpfauenauges ist das Wiener Nachtpfauenauge, das wohl als einziger Schmetterling zu der Ehre kam, von Vincent van Gogh porträtiert zu werden.
Mit freundlicher Genehmigung der Autoren entnommen aus:
Matthias Hendrichs, Alexander Beiter: Heimische Schmetterlinge - Gefährdete Schönheit. Verlag Schwäbisches Tagblatt, Tübingen 2003. ISBN 3-928011-53-7