Schmetterling des Jahres 2011: Der Große Schillerfalter

Männlicher Schillerfalter, Bild: R. Roth

Der Große Schillerfalter (Apatura iris) – Schmetterling des Jahres 2011 – ist mit über 7 cm Flügelspannweite bei den Weibchen einer der größten Schmetterlinge Europas. Er gehört, wie zum Beispiel auch das Tagpfauenauge, zur Familie der Edelfalter.

Schwer zu erkennen ist er nicht, wenn man ihn denn erst gefunden hat. Die Flügeloberseiten sind hauptsächlich schwarz-braun gefärbt, mit reihenförmig angeordneten weißen Flecken. Auf den Hinterflügeln befinden sich am hinteren Ende zwei charakteristische orangefarben umrundete Punkte, sogenannte „Augen“. Allenfalls kann man ihn mit dem Kleinen Schillerfalter verwechseln: Der Unterschied besteht nicht in erster Linie in der Größe der Falter. Der Kleine Schillerfalter hat im Unterschied zum Großen auch auf der Oberseite der Vorderflügel-Oberseite je ein orange umrandetes „Auge“.

Der wissenschaftliche Gattungsname "Apatura" stammt aus dem Griechischen: Apaturia ist ein Beiname der Aphrodite; später wurde aus Apaturia dann Apatura. Am besten übersetzt vielleicht mit "Schmetterling der Liebe“. Auch der Artname "Iris" entstammt der griechischen Mythologie: Die Göttin Iris ist die Personifikation des Regenbogens und gilt als Verbindung von Himmel und Erde. Der Bezug zum Schillerfalter besteht in dem lichtabhängigen Wechselspiel der Farbe der Männchen: von der Himmelsfarbe (blau) zur Erdfarbe (dunkelbraun).

Ein Schillerfalter bei der Nahrungsaufnahme, Bild: A. Dahl

Tree-Topping und gehörnte Raupe

Um den Großen Schillerfalter von Nahem zu erleben, hält man am besten an Waldrändern, hellen Waldwegen und sonnendurchfluteten Lichtungen die Augen auf. Hohe Baumkronen sind zwar der bevor-zugte Lebensraum des Falters, aber manchmal sieht man ihn an feuchten Stellen oder an einem toten Tier auf dem Weg sitzen – bisweilen sogar zu mehreren.

Anders als bei vielen Schmetterlingsarten, deren Hauptnahrung Blumennektar ist, saugt der Große Schillerfalter gern an Aas oder Kot. Er reagiert auf starke Düfte, so kann man auch versuchen, Schillerfalter mit einem Stück stark riechenden Käse anzulocken, um sie von Nahem zu beobachten.

Am häufigsten kann man den Großen Schillerfalter im Zeitraum von Mitte Juni bis Anfang August beobachten. Dann ist er auch in Balzstimmung und jagt wild flatternd durch Baumkronen. Die Paarung findet nämlich in der Krone markanter Eichen oder Buchen statt, dieses Phänomen wird „Tree-Topping“ genannt. Das Schillerfalter-Weibchen legt seine Eier auf den Blättern niedriger bis mittelhoher Sal-Weiden-Büsche an meist (halb-)schattigen, luftfeuchten Standorten im Wald ab. Die Jungraupe frisst an den Weidenblättern und überwintert beinahe ungeschützt vor Eis und Schnee in Astgabeln. Sie nimmt erst bei wärmeren Temperaturen wieder ihre blattgrüne Farbe an, die sie für Feinde schwer sichtbar macht. Zu erkennen ist die Raupe an ihren beiden „Hörnern“ und ihrer besonderen Körperform, die an Nacktschnecken erinnert. Im Mai verpuppt sich die Raupe. Die Puppen hängen an der hinteren Körperspitze (= Stürzpuppen) in wenigen Meter Höhe in Weidenbüschen. Sie ähneln mit ihrer Aderzeichnung Weidenblättern. Zwei bis drei Wochen später schlüpfen die Schmetterlinge und fliegen bis Ende Juli, in kühleren Gebieten auch länger.

Raupe des Schillerfalters, Bild: W. Schön

Verbreitet, aber selten

Der Große Schillerfalter kommt in ganz Mittel- und Osteuropa bis nach Asien vor, in Baden-Württemberg ist er sogar auf den Höhenzügen von Schwäbischer Alb und Schwarzwald zu entdecken. Er ist allerdings kein häufiger Schmetterling.

Der Große Schillerfalter ist – wie viele Schmetterlingsarten – bedroht. Darum steht er in Baden-Württemberg und in der Bundesrepublik auf der sogenannten „Vorwarnstufe“ der Roten Liste. Ein wesentlicher Grund für die Verringerung der Schillerfalterbestände ist – neben dem Asphaltieren von Forstwegen – vor allem das „Aufräumen“ oder Fehlen artenreicher Waldinnen- und -außenränder. Das herbstliche oder winterliche Schlegeln der Ränder ganzer Waldweg-Netze kann einen großen Teil der Raupen eines Waldbereichs zerstören und die Lebensgrundlage für die nächsten Jahre vernichten.



  • Jetzt spenden, Bilder: ger.hardt/pixelio.de, Thomas Stephan, Walter Schön
  • Jetzt BUND-Mitglied werden; Bilder: detailblick/fotolia, Benicce/fotolia, Monkey Buissnes Images/shutterstock, Mr. Nico/photocase.de
  • Newsletter bestellen, Bild: fult/photocase.de

Ihre Ansprechpartnerin:

Christine Fabricius
Fon 0711 620306-14
christine.fabricius@bund.net

Suche