Wo und wie soll beweidet werden?

Heckrind, Bild: Kai-Steffen Frank
Erfolgreiche Landschaftspflege: Die urtümlichen Heckrinder. Foto: Kai Frank

Rinder statt Rasenmäher: Historische Formen der Landnutzung haben sich im Naturschutz bewährt. Beweidung bietet sich vor allem dort an, wo früher schon Schafe grasten, wie auf der Schwäbischen Alb, im Heckengäu und in Teilen des Schwarzwaldes. Geradezu geboten ist die Beweidung dort, wo durch Weidetiere die Biotope entstanden sind, die für Baden-Württemberg typisch sind. Das Paradebeispiel ist dabei die Wacholderheide.

Kühbusch, Schafhalde, Geißbühl oder Viehweide - Gewann-, Orts- und Flussnamen können Hinweise darauf geben, ob ein Gebiet früher beweidet wurde. Der historische Bezug einer geplanten Beweidung kann helfen, Grundstückseigentümer, Landwirte und politisch Verantwortliche von dem Projekt zu überzeugen.

Welche Flächen lassen sich beweiden?

Bei Steillagen bieten sich Beweidungen vor allem an, weil das Mähen nicht nur mühsam, sondern auch gefährlich sein kann. Steillagen können zu wertvollen Wiesen werden, weil die geringe Humusauflage seltene, meist konkurrenzschwache Pflanzen begünstigt und Artenvielfalt ermöglicht. Außerdem sind Steillagen oft der Sonne zugeneigt und deshalb ein idealer Standort für wärmeliebende Arten. Weil Ziegen und Schafe leichter als Rinder sind, sollten sie bevorzugt an Steillagen eingesetzt werden, da sie weniger Trittschäden verursachen.

Streuobstwiese, Bild: Kai-Steffen Frank

Es gibt Bereiche, in denen Bewei-dung kaum eine Rolle spielt, wie zum Beispiel extrem feuchte Flächen. Denn die meisten Schaf-, Ziegen und Rinderrassen mögen keine nassen Füße. Es besteht auch die Gefahr, dass sie sich mit Klauen-krankheiten infizieren, von Leber-egeln oder anderen Parasiten be-fallen werden. Doch völlig unmög-lich ist eine solche Beweidung nicht, wie Beispiele im Naturschutzgebiet Federsee mit speziellen Schaf- und Rinderrassen und die Heckrinder bei Markdorf und Singen zeigen. Vor Beginn der Beweidung einer feuchten Fläche muss man sich intensiv informieren, Fach-leute der Landwirtschaftsämter oder Kreisveterinäre helfen dabei.

 

Welche Tierarten eignen sich?

Bei der Auswahl der Tierart und -rasse orientiert man sich zunächst an den alten Vorbildern und setzt zum Beispiel das Limburger Rind im Nordosten, das Hinterwälder-Rind im Südwesten, Schafe auf der Alb und im Heckengäu ein. Oder man wählt eine alte einheimische Haustierrasse. Vor allem bei schwierigen Flächen akzeptiert der BUND auch den Einsatz von Schottischen Hochlandrindern oder anderen europäischen Rassen. In neuerer Zeit gibt es erfolgreiche Beweidungs-Projekte mit Heckrindern und Konik-Pfer-den. Diese Rassen sind vergleichsweise unempfindlich und genügsam. Heckrinder ähneln dem Ur-Rind, Konik-Pferde sind direkte Nachkommen der Wildpferde. Im Schwarzwald wird auch über Weideschweine nachgedacht. Eine Beweidung mit gemischten Herden aus Schafen und Ziegen oder Rindern und Pferden hat in Baden-Württemberg zwar keine Tradition, doch auch diese Form der Beweidung kann dabei helfen, die Vegetation zu lenken und die Landschaft zu pflegen.

Mahd, Beweidung und Brache wechseln sich ab

Auf feuchten Wiesen empfiehlt sich ein jährlicher Wechsel zwischen Mahd, Beweidung und Brache. Diese Wiesenpflege bringt eine sehr strukturreiche Wiese hervor. Davon profitieren zum Beispiel seltene Heuschrecken sowie Schmetterlinge, Käfer und andere Insekten, deren Eier auf Pflanzenstängeln überwintern.

Bei der Nachmahd sorgt die Ziege sorgt für den Feinschliff

Auch Tiere sind Gourmets: Sie fressen manche Pflanzen, andere lassen sie stehen. Vor allem auf nährstoffreichen, nicht allzu trockenen Böden entstehen Weide-Inseln. Auf nährstoffreichen, feuchten bis frischen Flächen bestehen diese zunächst aus Brenn-nesseln, auf nährstoffärmeren, nassen Flächen aus Binsen und Seggen, später auch aus Sträuchern und Bäumen. Auch Ampfer-Arten können derartige Inseln bilden, sie werden durch Gülle gefördert. Diese grünen Inseln lassen sich mit dem Freischneider oder Balkenmäher beseitigen. So vermeiden Sie eine spätere Verbuschung. Wo das nicht möglich ist, sollten Ziegen die Schafherde begleiten oder zum Nachbeweiden über die Fläche geschickt werden.



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