Ein unscheinbares Insekt hat die Abholzung der Bäume für Stuttgart 21 vorerst gestoppt – der Juchtenkäfer. Der BUND deckte auf, dass die Bahn die streng geschützte Art im Schlossgarten nicht hatte untersuchen lassen, und erstattete Anzeige. Besuchen Sie mit uns den kleinen Eremiten in seiner mit Mulm gefüllten Baumhöhle.
Darf ich mich vorstellen? Osmoderma eremita oder ganz einfach Juchtenkäfer ist mein Name. Seit den illegalen Baumfällungen im Stuttgarter Schlossgarten im Oktober 2010 reden alle über mich, aber mal ehrlich, wer hat mich schon mal zu Gesicht bekommen? Kein Wunder, ich verbringe mein Leben ja größtenteils in meiner Bruthöhle. Schauen Sie sich also mein Foto an: Ein Käfer wie viele andere auch, denken Sie? Das kann nur sagen, wer mich noch nie gerochen hat! Denn bei uns Juchtenkäfern heißt’s nicht „Schau mir in die Au-gen, Kleines“, sondern: „Lass Dich von meinem Duft betören“. Euch Menschen erinnert mein Geruch an Juchtenleder – das ist ein pflanzlich gegerbtes Rindsleder, das mit Bir-kenteeröl eingerieben wurde, daher mein deutscher Name. Auf jeden Fall: wenn wir Männchen an heißen Sommertagen an der Höhlenöffnung posieren, finden die Weibchen noch aus 500 bis 1000 Metern Entfernung zu uns. Alles weitere, also Paarung, Eiablage und Aufzucht der Larven, findet dann unter Ausschluss der Öffentlichkeit in der Baum-höhle statt.