Kraftstoff E 10 tanken?

Seit Jahresanfang wird an den Tankstellen in mehreren Bundesländern, auch in Baden-Württemberg, Superbenzin verkauft, das zehn Prozent Äthanol aus Biomasse enthält – „normales“ Superbenzin enthält nur fünf Prozent.

Grund für den Beimischungszwang ist, dass es der Autoindustrie erleichtert werden sollte, die Klimaschutzziele der EU zu erreichen, ohne dass sie entsprechend anspruchsvolle Maßnahmen bei Motoren umsetzen oder leichtere und schwächer motorisierte Fahrzeuge bauen muss.

Der Anbau von Energiepflanzen zur Treibstoffproduktion braucht Fläche: Wenn alle Autofahrer E 10 tanken würden, müsste für die Benzinmenge, die in Baden-Württemberg verfahren wird, über 40 Prozent der Weizenanbaufläche im Land für Agraralkohol verwendet werden. Die Rohstoffe für den Agrarsprit werden nur zum kleinen Teil bei uns angebaut. Importe verschärfen Hungerkrisen in armen Ländern und ökologische Probleme wie die Abholzung von Regenwäldern. Die Nachhaltigkeitsverordnung hilft da nur sehr begrenzt – Selbst wenn die Rohstoffe für unseren Agrarsprit nachhaltig angebaut werden, können sie zu Verdrängungseffekten führen oder die Flächen können aus Abholzungen der jüngeren Vergangenheit stammen.

Dabei ist nicht einmal die Klimaschutzwirkung von Agrarsprit eindeutig belegt: Es stimmt zwar, dass das CO², das bei der Verbrennung im Motor freigesetzt wird, während des Wachstums von den Pflanzen aufgenommen wurde. Beim intensiven Anbau werden jedoch aus Dünger erhebliche Mengen an Distickstoffmonoxid (N²O) freigesetzt, das rund 300mal klimaschädlicher ist als CO². Daher ist die Klimaschutzwirkung von Kraftstoff aus Biomassepflanzen wie Weizen oder Zuckerrüben ziemlich gering, möglicherweise sogar negativ – darüber streiten die Fachleute noch.

Schließlich ist der Einsatz von Energie aus Biomasse in Blockheizkraftwerken zur Produktion von Strom und Wärme sehr viel effizienter als in Automotoren.
Was also tanken?

Der BUND rät: Tanken Sie, wenn möglich, weiter herkömmliches Benzin mit maximal fünf Prozent Äthanol.
Viel wichtiger als die Frage, ob Ihr Auto fünf oder zehn Prozent Alkohol bekommt, sind aber andere Entscheidungen:

  • Lassen Sie Ihr Auto stehen, wo es geht, und benutzen Sie den Umweltverbund: Zu Fuß gehen, Radfahren, Öffentliche Verkehrsmittel
  • Fahren Sie bei unvermeidbaren Autofahrten sparsam und mit mäßiger Geschwindigkeit – ein Tempolimit auf 100 km/h auf Autobahnen würde laut Umweltbundesamt bei 80 Prozent Befolgung den CO²- Ausstoß dort um 19 Prozent verringern
  • Legen sie bei der Neuanschaffung eines Autos größten Wert auf Sparsamkeit
  • Verzichten Sie auf unnötige gewichtssteigernde Details und auf übertriebene Motorleistung!